Tarifverhandlungen

„Filialleiter nach Verantwortung bezahlen“

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Berlin -

Sechs Berufsgruppen gliedert der aktuelle Gehaltstarifvertrag auf: Approbierte, PTA, PKA, Apotheker- und Apothekenassistenten sowie Pharmazie-Ingenieure. Das soll sich aus Sicht der Adexa ändern. Die Apothekengewerkschaft fordert in den aktuellen Tarifverhandlungen, Filialleiter als eigene Berufsgruppe zu entlohnen. Die Inhaber lehnen dies ab.

Die erste Verhandlungsrunde zwischen Adexa und dem Arbeitgeberverband Deutscher Apotheker (ADA) ist gescheitert. Vergangene Woche trafen sich beide Seiten zu Tarifverhandlungen. Die Angestellten forderten 5,6 Prozent mehr Gehalt, die Inhaber boten nach dem Vorbild des seit Jahresanfang geltenden Tarifvertrags mit der TGL Nordrhein durchschnittlich 3 Prozent mehr.

Das Konzept, Filialleiter beziehungsweise Angestellte, die sich regelmäßig fortbilden, besser zu stellen, wurde ebenfalls abgelehnt. Der Arbeitgeberverband Deutscher Apotheken (ADA) soll laut Adexa klargestellt haben, dass es dafür keine Notwendigkeit gebe. „Die Eigenständigkeit des Filialleiters ist in der Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO) vorgesehen, findet aber im Tarifvertrag keine Abbildung“, sagt Adexa-Vorsitzender Andreas May. „Das kann nicht sein.“

Filialleiter sollen aus Sicht der Gewerkschaft wie eine eigene Berufsgruppe behandelt werden. Für die Angestellten soll im Vertrag ein Stufenmodell festgelegt werden. Sie sollen je nach Qualifizierung und Verantwortung mehr Geld erhalten. Geplant sind drei Stufen. „Zusätzlich zum Apothekergehalt soll ein Betrag aufgeschlagen werden.“ Als Abgrenzung sollen die Tätigkeiten dienen: Ein Filialleiter, der sich um 40 Mitarbeiter kümmere, habe eine andere Verantwortung, als einer mit fünf Mitarbeitern und müsse deshalb anders honoriert werden.

Beispiele für verschiedene Verantwortungen sind etwa betriebswirtschaftliche Tätigkeiten wie Einkauf, Warenwirtschaft und Preisgestaltung und Marketing sowie Verantwortung bei der Personalplanung und bei der -auswahl sowie beim Qualitätsmanagement. „Der ADA lehnt das leider ab“, so May. Gerade angesichts des Fachkräftemangels und der Nachwuchssorgen sollte von den Inhabern ein „deutliches Signal“ gesetzt werden. „Es wäre doch traurig, wenn künftig immer mehr Nachwuchs in die Industrie geht.“

Auch für besonders gut fort- und weitergebildete Angestellte fordert Adexa mehr Geld. „Wir wollen ein Punktesystem, das es auch in anderen modernen Tarifverträgen und Branchen gibt“, so May. Dies könne beispielsweise an das freiwillige Fortbildungszertifikat bei den Apothekerkammern gekoppelt sein. Beim Einmaligen Erreichen könne der Mitarbeiter einen ausgehandelten Bonus erhalten.

„Wir wissen, dass sich die Angestellten gerne fortbilden“, so May. Dieses Engagement müsse auch honoriert werden. „Wir reden hier nicht von Firmenwerbeveranstaltungen, sondern zertifizierten Fort- und Weiterbildungen.“ Insbesondere das Angebot an Schulungen für PKA sei gering. Ende Mai lief die Vereinbarung mit den Arbeitgebern fristgerecht aus.

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