Abholfach: Aufsicht geht Pharmazierat an

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Berlin - Abholfächer sind eine praktische Sache – auch für nachbestellte Arzneimittel. Allerdings sieht es der Pharmazierat nicht gern, wenn diese direkt an den Kommissionierer angeschlossen sind. Einem Apotheker wurde von seinem Regierungspräsidium der Betrieb untersagt – dabei ist er selbst Pharmazierat.

Es soll Beschwerden über den Betrieb des Visavia von Rowa gegeben haben, teilte das Regierungspräsidium mit. Der Apotheker wurde darauf hingewiesen, dass die Arzneimittelabgabe über Terminals ein „äußerst sensibles umstrittenes Thema“ sei. Ein gänzlich automatisiertes Abholsystem mit direktem Anschluss an den Kommissionierer ohne Kontrolle durch pharmazeutisches Personal werde als Verstoß gegen die Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO) gewertet. Eine Abgabe von Arzneimitteln über Außenterminals sei grundsätzlich nur außerhalb der Öffnungszeiten zulässig. Ausgenommen seien lediglich „codegeschützte Abholfächer“.

Der Apotheker sollte angeben, für welche Produkte und zu welchen Zeiten er das Abholfach nutzt und ob dieses mit dem Kommissionierer verbunden sei. Auch für die Art der Bezahlung interessierte sich die Aufsicht.

Der Apotheker antwortete, dass er den Visavia nur sehr eingeschränkt nutze: Nur Freiwahlartikel könnten sich Kunden dort selbst verschaffen, eine Arzneimittelabgabe erfolge lediglich als Abholfach, wenn der Kunde sein Rezept zuvor in der Apotheke eingelöst habe und beraten worden sei. Und ja, das Fach sei an den Kommissionierer angeschlossen.

Konkret lief der Vorgang so. Der Kunde wählt in der Apotheke die Abholung über den Visavia. Dann bekommt er neben der Abholnummer einen sechsstelligen-Code, um das Arzneimittel später abzuholen. Das Medikament wird aber nicht aus dem allgemeinen Lager des Kommissionierers entnommen. Nachlieferungen des Großhandels werden zunächst von pharmazeutischem Personal kontrolliert und dann von diesem in den Automaten eingelagert. Über die EDV wird das Medikament als „Nachlieferung Automat“ gekennzeichnet und ausschließlich für diese eine Auftragsnummer reserviert. Das Präparat wird gewissermaßen individualisiert.

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