Berlin -

Wenn die Kunden in der Apotheke Schlange stehen und man im Akkord bedient, macht man sich wenig Gedanken über die Konsequenzen, die ein Fehler haben könnte. Fälle wie der des Apothekers aus Nordrhein-Westfalen, der einer Dialysepatienten am Samstagnachmittag das falsche Präparat brachte und sich wegen fahrlässiger Tötung verantworten musste, machen betroffen – und auch Angst, dass man in dieselbe Situation geraten könnte. Ein einziger Moment der Unachtsamkeit genügt, um die berufliche und private Existenz zu ruinieren. Das gilt es zu vermeiden. Doch nur die wenigsten Apotheken sind darauf vorbereitet, dass einmal ein Schadensfall eintreten könnte. Ein professioneller Umgang mit eigenen Fehlern kann aber helfen, Schlimmeres abzuwenden.

Zu entdecken, dass man ein falsches Medikament abgegeben hat, oder von Kollegen oder Vorgesetzten darauf hingewiesen zu werden, geht durch Mark und Bein. Wegducken ist keine Option, das weiß jeder, der Pharmazie studiert oder PTA gelernt hat. Denn selbst kleine Pannen können dramatische Folgen haben: Ein falscher Griff im Generalalphabet, ein Zahlendreher am Verkaufsplatz, ein Rechenfehler in der Rezeptur – Medikamente sind eben keine harmlose Ware. Was aber ist zu tun, wenn doch der Ernstfall einmal eingetreten ist?

Rolf-Werner Bock ist Anwalt in der Kanzlei – Ulsenheimer Friederich Rechtsanwälte, die sich mit Büros in München und Berlin auf Medizinrecht und Medizinstrafrecht spezialisiert hat. Er und seine Kollegen betreuen vor allem Ärzte und Kliniken, die sich wegen eines Behandlungsfehlers zivil- oder strafrechtlich verantworten müssen. Der Jurist empfiehlt Heilberuflern, denen mutmaßlich ein Fehler unterlaufen ist, den Fall genau zu prüfen, ein Gedächtnisprotokoll anzufertigen und alle Unterlagen zum Vorgang zusammenzutragen – und den Kontakt zum Patienten zu suchen, um Schaden zu vermeiden und den Zwischenfall zu klären.

Laut Bock haben Betroffene ein berechtigtes Interesse, umfassend und ehrlich über den Zwischenfall aufgeklärt zu werden. Der aktive Dialog kann seiner Erfahrung zufolge auch die Aufarbeitung in geordnete Bahnen lenken: „Ein empathisches Zugehen auf den Patienten verhindert in vielen Fällen einen für alle Beteiligten belastenden Rechtsstreit und auch Strafanzeigen.“ Fehlende Gesprächsbereitschaft sei dagegen häufig die Ursache für Misstrauen und Verärgerung.

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