„Wir gehen nur noch mit Angst zur Arbeit“

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Krankmeldungen und blöde Kommentare

Mittlerweile haben sich zwei Kolleginnen krankgemeldet, eine der Filialleitungen hat den Dienst ebenfalls eingestellt, da sie ein Kleinkind zu Hause hat. Ohne Schutz würden die entsprechenden Kolleginnen nicht mehr zur Arbeit erscheinen. Neben Plexiglas werden auch andere Schutzmaßnahmen vom Chef belächelt. „Wir haben uns mittlerweile selbst Handschuhe und Mundschutz gekauft, da er es nicht bezahlen will.“ Der Chef habe seine Mitarbeiter daraufhin ausgelacht und gefragt, ob er ihnen Ganzkörperanzüge basteln solle. „Es kommen nur blöde Kommentare und Unverständnis, dabei ist er selbst Risikopatient.“

Innerhalb des Kollegenkreises habe man sich nun darauf geeinigt, nach jedem Kunden zumindest den HV-Tisch zu reinigen. „Die nächsten Kunden müssen dann eben kurz warten“, erklärt sie. Von den Kunden kämen zum Teil ebenfalls blöde Reaktionen: „Die lehnen sich extra über den HV-Tisch und husten uns an“, berichtet sie geschockt. Die Reaktionen seien jedoch grundsätzlich gemischt: Während einige über die fehlenden Maßnahmen verwundert sind, würden andere es begrüßen. „Endlich noch jemand, der nicht in Hysterie verfällt“, habe ein Kunde gesagt.

Mitarbeiter ziehen Konsequenzen

Bei vielen Chefs und Kunden sei noch immer nicht angekommen, unter welchem Druck die Apothekenmitarbeiter derzeit stehen. Viele würden sich keine Gedanken darüber machen, mit wie vielen Kunden und potenziell Erkrankten man dabei in Kontakt käme. „Wir gehen nur noch mit Angst zur Arbeit.“ Notfalls wolle sich das Team nun behelfsmäßig selbst einen Schutz bauen – „oder wir tun uns zusammen und kommen alle nicht mehr zur Arbeit“.

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