40 Jahre in der Apotheke

„Leider nur PKA“: Sie schwärmt trotzdem für ihren Beruf

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Berlin -

Für Heike Helfst ist 2022 ein besonderes Jahr – denn die PKA ist seit 40 Jahren in der Apotheke tätig. Auch wenn die Berufsgruppe „immer vergessen“ werde, schwärmt sie für ihre Arbeit und betont: „In vielen Apotheken geht ohne uns fast gar nichts.“

Helfst ist mit einer weiteren PKA in der Brunnen-Apotheke Bad Nenndorf in Niedersachsen für das Backoffice zuständig. „Unser Beruf ist auf dem aussterbenden Ast“, sagt sie. Doch PKA würden in der Apotheke benötigt – gerade in diesen Zeiten. „Wir machen alles im Hintergrund dafür, dass es vorne gut läuft.“ Das sie „leider nur PKA“ sei, meint sie dabei keinesfalls abwertend oder bedauernd. Zwar sei der Beruf „vielleicht etwas verkannt, unterbezahlt und nicht so wertgeschätzt“, aber für sie genau der richtige.

Kurz nach ihrem Start in den 80er-Jahren überlegte Helfst, sich noch zur PTA ausbilden zu lassen. Dass sie es ließ, bereut die PKA heute nicht. „Es ist gerade in diesen Zeiten schwierig, vorne und hinten tätig zu sein, in denen sich wöchentlich und monatlich so viel verändert. Da hängt man schnell hinterher und macht vielleicht etwas verkehrt.“ Seit 20 Jahren ist sie in der Apotheke für den Einkauf zuständig, pflegt den Kontakt zum Außendienst und hat einen Überblick über die Defekte.

PKA mit Kundenkontakt

Nur im Backoffice sitzt Helfst aber nicht. „Als PKA hat man alles: Einkauf, Herausforderungen und Menschen“, sagt sie und verweist dabei nicht nur auf den Kontakt mit Geschäftspartnern. „Wir sprechen auch mit Apothekenkunden, wenn es beispielsweise Probleme mit Rechnungen gibt oder erklären, warum ein Produkt nicht lieferbar ist.“ Dabei spiele auch die Effizienz und Teamarbeit eine große Rolle. „Wenn wir alle Kleinigkeiten an die Mitarbeiter von vorne weitergeben würden, würde das ewig dauern. Die Kollegen schreiben dann ‚Bitte Heike holen‘ aufs Rezept und wir können sie vorne entlasten und erklären, was es mit dem Produkt auf sich hat.“

Natürlich geht es dabei nicht um die Abgabe von Arzneimitteln oder deren Beratung, die nur durch Apotheker:innen oder PTA durchgeführt werden dürfen. „Die Leute sind super dankbar, wenn man ihnen erklärt, warum ein Produkt nicht lieferbar ist oder sie ein anderes Arzneimittel bekommen, als auf dem Rezept steht. Außerdem freuen sie sich, wenn sie ein Gesicht zu der Stimme am Telefon haben.“

Der gute Draht zu den Kolleg:innen ist für Helfst besonders wichtig. „Viele im Team arbeiten bereits viele Jahrzehnte zusammen. Ich habe mittlerweile den vierten Chef in dieser Apotheke.“ Eine aktuelle Herausforderungen sei die große Anzahl an Defekten. Die pandemiebedingte Lockerung der Rabattverträge habe die Situation etwas entspannt. „Dass wir das beliefern dürfen, was der Arzt verordnet hat, ist ein großer Vorteil und eine große Entlastung für uns“, sagt die PKA.

Erst Masken, dann Bestell-App

Der Stress sei mit dieser Ausnahmeregelung jedoch nicht weniger geworden. Wie in anderen Betrieben auch sorgten die oftmals kurzfristigen Coronavorgaben wie Maskenabgabe oder die Einführung von Bürgertests für Mehrarbeit – gerade für eine Einkäuferin. „Wir sind glücklicherweise nicht auf Ware sitzen geblieben, weil wir uns früh über die Standards im Markt informiert haben.“

Schwierigkeiten bereite den Apotheken derzeit die Kontingentierung von bestimmten Produkten: „Wir benötigen teilweise das Doppelte oder Dreifache der vorgegebenen Menge wie bei Forxiga.“ Dazu komme, dass es Hersteller wie etwa Berlin-Chemie gebe, bei denen man nur einmal pro Monat bestellen könne. „Das ist schwierig, wenn man doch mehr braucht.“

Momentan beschäftigt sich Helfst mit einer weiteren neuen Herausforderung: den Bestell-Apps. „Ich habe das übernommen und pflege auch die Kundenkontakte.“ Der PKA-Beruf biete immer „sehr viel Neues“.

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