„Das würde man sich in der öffentlichen Apotheke manchmal wünschen.“

Kittel und Flecktarn: Alltag in der Bundeswehrapotheke

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Und Schnölzer sieht noch mehr Vorteile in ihrer Arbeit bei der Bundeswehr – nicht zuletzt aufgrund der Covid-19-Pandemie. „Ich bin froh, dass ich in der letzten Zeit hier war und nicht in der öffentlichen Apotheke. Dort fängt man sehr viel mehr ab, man wird ständig angegangen. Hier gibt es keine Kundendiskussionen.“ Auch was im ersten Moment vielleicht weniger positiv klingt, begeistert Schnölzer: die vielen Regeln. „Es gibt hier für alles eine Vorschrift. Das würde man sich in der öffentlichen Apotheke manchmal wünschen.“ So herrsche Erwartungssicherheit in Bezug auf das eigene Handeln. „QMS, Abläufe, Arbeitsanweisungen, Prozessbeschreibungen – das kann man hier alles einfach ausdrucken und muss es neuen Mitarbeitern dann nur vorlegen, statt sie lange einzuweisen. Das finde ich genial.“

Auch sei die Bundeswehapotheke weitaus arbeitsteiliger – dass man als Approbierte für gefühlt alles gleichzeitig zuständig ist, gebe es dort nicht. Allein zwei Mitarbeiter sind für die täglichen Inventur zuständig, eine Mitarbeiterin nur für das QMS. „Von dem QMS hier bin ich total begeistert“, sagt Schnölzer. Mit Retax und anderen Ärgerlichkeiten muss sich eine Krankenhausapotheke ebenfalls nicht herumschlagen – sie ist kein Handelsbetrieb. Dass der wirtschaftliche Druck deshalb fehlt, sieht sie als einen der größten Vorteile. „Man spürt hier keinen Konkurrenzdruck. Jeder hat seinen eigenen Arbeitsbereich und geht seiner Arbeit nach.“ Entsprechend muss sich die Apotheke auch nicht an den Arbeitszeiten der Bevölkerung orientieren: Zwar geht es teils bedeutend früher los – die ersten sind schon morgens um sechs in der Offizin – dafür sind Öffnungszeiten bis 18 oder gar 20 Uhr nur eine Erzählung aus der zivilen Welt. „Es war am Anfang sehr ungewohnt für mich, dass hier ab 15 Uhr nicht mehr viel passiert.“ Weniger passiert auch in der Rezeptur, zumindest, was die Vielfalt angeht: Hauptsächlich dermatologische Präparate, ölige Dronabinoltropfen für die Station sowie ein paar Lösungen und Kapseln werden dort hergestellt. „Das ist in der öffentlichen Apotheke abwechslungsreicher, weil es patientenindividuell hergestellt wird. Hier wird eher für die Station oder für Fachuntersuchungsstellen produziert.“

Vielfalt ist ohnehin nicht der erste Eindruck, den ein Blick in eine Bundeswehrkaserne erweckt – es liegt in der Natur der Sache, dass Uniformen einen einheitlichen Anblick vermitteln. Doch Schnölzer läuft nicht in Flecktarn umher, sondern trägt die weiße Sanitätsuniform – und findet sie großartig. „Ich liebe diese Uniform. Sie macht mit den Schulterstücken sehr viel mehr her als der normale Kittel“, sagt sie. Anders als die Erfahrungen, die sie hier sammelt, kann sie die Uniform aber nicht mit zurück ins zivile Leben nehmen. „Wenn ich könnte, würde ich sie auch bei uns in der Apotheke tragen.“

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