Umschau: Auflagen- oder Apothekenrettung?

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Berlin - Jahrzehntelang kannte die Apotheken Umschau keine ernst zu nehmende Konkurrenz. Doch mit Mylife haben sich die Vorzeichen geändert. Mit einer Treue-Prämie wollte der Wort & Bild Verlag die Anzahl der Exemplare je Kunde stabil halten. Doch dabei ist man in Baierbrunn weit über das Ziel hinausgeschossen. Bereits Ende 2019 verbot das Landgericht München das Konzept als „kartellwidrige Behinderung“ – und zerpflückte die Geschichte vom kleinen Verlag und großen Apothekensterben.

Konkret ging es um den Click&Collect-Shop Curacado, der eigentlich 24,99 Euro kostet. Kunden, die mindestens 100 Hefte der Umschau und je 50 Hefte von Senioren Ratgeber, Diabetes Ratgeber, Baby und Familie sowie Medizini beziehen, sollten die Kosten komplett erlassen werden, sofern zum Ablauf des jeweitigen Vertragsjahres die Summe der abgenommen Zeitschriften gegenüber dem Status quo nicht rückläufig war. Anderenfalls sollten laut Vertrag 9,99 Euro fällig werden.

Die Bindung des Click&Collect-Services an den Vertrieb der Zeitschriften stelle eine missbräuchliche wirtschaftliche Koppelung dar, argumentierte Mylife: Die Kostenfreiheit im ersten Jahr führe dazu, dass die Apotheken, die erst einmal ihre Prozesse auf dieser Bestellplattform eingerichtet haben, im zweiten Jahr diese Plattform kaum noch verlassen werden. Über die Abnahme der vorgegebenen Mengen an Zeitschriften würden sie das System weiter kostenlos nutzen können.

Der Treue-Bonus sei auch unbillig, da er unabhängig von der konkreten Zahl der abonnierten Zeitschriften gewährt werde. Er könne daher auch nicht mit Kostenersparnissen oder ähnlichem begründet werden und sei damit nicht Ausdruck des Leistungswettbewerbs. Dass Apotheken zusätzlich angeboten wurde, je nach Bedarf 50 oder 100 Exemplare für bis zu drei Monate kostenfrei dazubestellen, sei der Versuch einer „unzulässigen Marktverstopfung“.

Der Wort & Bild Verlag wies die Vorwürfe zurück: Als mittelständischer Verlag, der mit Burda gar nicht zu vergleichen sei, sehe man sich insgesamt rückläufigen Verkaufszahlen und einem schrumpfenden Markt ausgesetzt, da die Zahl der Apotheken in Deutschland seit Jahren beständig sinke.

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