Saarland

So wenige Apotheken wie vor 40 Jahren

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Berlin -

Nach einer kurzen Phase der Stabilität geben im Saarland wieder mehr Apotheken auf und schließen ihre Türen: Nach Angaben der Apothekerkammer gibt es aktuell nur noch 299 Apotheken – so wenige wie vor 40 Jahren. „Letztmalig gab es im Saarland im Jahr 1978 weniger als 300 Apotheken“, bilanziert Kammerpräsident Manfred Saar.

Vor 20 Jahren setzte der Sinkflug ein: Seit 1997 ist im Saarland Jahr für Jahr einen Rückgang zu verzeichnen – von 368 auf aktuell nur noch 299 Apotheken. Damit hat das Saarland innerhalb von 20 Jahren 20 Prozent aller Apotheken verloren.

Und der Rückgang beschleunigt sich jetzt wieder: Laut Kammer verzeichneten die saarländischen Apotheken in den Jahren 2013 bis 2015 eine Atempause. „Seit 2016 und insbesondere in 2018 sind erneut vermehrt Apothekenschließungen zu vermelden“, so die Kammer. Dazu Saar: „Es ist davon auszugehen, dass 2018 noch zahlreiche weitere Apotheken schließen werden. Erwartungsgemäß verzeichnen wir die meisten Schließungen erst zum Jahresende.“

Die Atempause in den Jahren 2013 bis 2015 bei den Apothekenschließungen führt die Kammer auf das Honorar zurück. Im Januar 2013 sei seit 2004 das Apothekenhonorar „geringfügig von 8,10 Euro auf 8,35 Euro pro Packung“ angehoben worden. „Dies ist aber, wie die wieder zunehmenden Apothekenschließungen leider eindrucksvoll belegen, bei Weitem nicht ausreichend gewesen“, so Saar: „Diese geringfügige Honorarerhöhung hat uns nur eine kleine Atempause verschafft.“

Stiegen von 2004 bis 2017 die Einnahmen der Krankenkassen um 61,4 Prozent und die in Apotheken gezahlten Tariflöhne um 25,7 Prozent, habe demgegenüber der Honorarzuwachs der Apotheken nur 13,8 Prozent betragen. „Dass immer mehr Apotheken aufgeben müssen, ist bei diesen Zahlen nicht verwunderlich. Ohne Inflationsausgleich werden die wirtschaftlichen Grundlagen der Apotheken immer mehr ausgedünnt. Wenn die Politik Apotheken in der Fläche wirklich erhalten will, muss es endlich zu einer substanziellen und vor allem fortlaufenden Honorarerhöhung kommen“, so der Kammerpräsident.

Ungeachtet des Rückgangs ist laut Saar die flächendeckende, wohnortnahe Versorgung mit Arzneimitteln noch gesichert, aber die „Luft für die Apotheken vor Ort und damit für die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln“ werde immer dünner. Der Kammerpräsident fordert daher eine Honorarerhöhung für Apotheken. „Das ist das Gebot der Stunde für die Politik, wenn wir auch zukünftig Personen wohnortnah und binnen weniger Stunden mit den für sie erforderlichen Arzneimitteln versorgen wollen. Nur eine wohnortnahe Arzneimittelversorgung sichert eine qualitativ hochwertige Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln, dies gerade in Zeiten des demografischen Wandels“, so Saar.

Anfang Februar hatte die ABDA die bundesweiten Apothekenzahlen bekannt gegeben: Danach sank die Zahl der Apotheken in Deutschland Ende 2017 auf 19.748. Das waren genau 275 Apotheken oder 1,4 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Ende 2016 gab es noch 20.023 Apotheken. Damit hat sich der Rückgang 2017 weiter beschleunigt – nach minus 226 im Jahr 2016 und minus 192 im Jahr 2015.

Besonders deutlich ist das Minus bei den Hauptapotheken, doch auch der Trend zur Filialisierung schwächt sich ab. Die aktuelle Zahl markiert den tiefsten Stand seit 30 Jahren – 1987 gab es in Ost- und Westdeutschland zusammen 19.637 Apotheken. Der aktuelle Rückgang ergibt sich aus dem Saldo von 120 Neueröffnungen und 395 Schließungen.

Auffällig ist laut ABDA, dass auch der Trend zur Eröffnung von Filialen immer schwächer wird und die Schließung von Haupt- beziehungsweise Einzelapotheken immer weniger kompensieren kann: Mit nur 96 Zugängen liegt das Wachstum bei 2,17 Prozent und damit auf dem geringsten Niveau seit Zulassung des beschränkten Mehrbesitzes im Jahr 2004. Ende 2017 gab es 15.236 Hauptapotheken und 4512 Filialen. Der Anteil der Filialen stieg damit von 22,05 auf 22,85 Prozent.

„Nicht nur die Zahl der Apotheken, sondern auch die Zahl der Inhaber sinkt immer weiter“, kommentierte ABDA-Präsident Friedemann Schmidt die Statistik. „Und das schmerzt besonders. Wenn so viele Apotheker keine Perspektive mehr für eine Existenz als Selbstständige sehen, liegt das nicht nur am scharfen Wettbewerb, sondern leider auch an den ordnungspolitischen Rahmenbedingungen.“

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