475 Jahre Hof-Apotheke Coburg

Keine Sorgen – und trotzdem Likör Silvia Meixner, 21.07.2018 09:20 Uhr

Berlin - Wer Sorgen hat, hat auch Likör – sagt man so. Apotheker Gernot Priesner aus Coburg hat keine Sorgen, aber Likör. Deshalb verkauft er ihn. Und trinkt zum Geburtstag seiner Hof-Apotheke ein Gläschen des süß-würzigen „Hoflikörs“, dessen Rezept nur er kennt.

Es wird „von Druide zu Druide“ weitergegeben und besteht aus 27 Kräutern und Gewürzen. Ein Familiengeheimnis, das Priesners Großvater im Wortsinn ausgegraben hat. Denn die Apotheke, die in diesen Tagen ihren 475. Geburtstag feiert, soll, so erzählt man sich, durch einen geheimen Gang mit der Veste Coburg verbunden sein. Die Veste ist eine mittelalterliche Burganlage, nach dem Geheimgang hat Opa Priesner in den 1930er-Jahren gegraben.

„Er hat tatsächlich einen Geheimgang gefunden, nach ein paar Metern war allerdings alles verschüttet”, erzählt der Apotheker. Doch die Arbeit war nicht vergebens, denn neben einer alten Vase und vielen Scherben fand der Großvater, ebenfalls Pharmazeut, ein paar alte Rezepte. Kostbares Gut, das bei dem experimentierfreudigen Apotheker in den besten Händen war. „Er hat sie alle ausprobiert, das Likörrezept war das beste”, sagt Priesner. Das war die Geburtsstunde des Hoflikörs, der heute in der Offizin und online verkauft wird. Ab sechs Flaschen gibt’s Rabatt.

Die Apotheke hat neben den hochprozentigen Schätzen noch eine weitere Besonderheit. „Unser Kräuterboden ist einmalig“, sagt der Apotheker. Im Dachgiebel der Hofapotheke werden in alten Tonnen aus Buchenholz über 130 Kräuter gesammelt. Wahre Schätze, die, perfekt gemischt, unten in der Offizin als bei den Kunden beliebte Kräutertees verkauft werden. Auch Gewürze werden auf dem Kräuterboden aufbewahrt. „Die hohe Qualität unserer Kräuter hat sich herumgesprochen. Als in den 1940-er und -50er-Jahren die Homöopathie aufkam, hat mein Großvater ein großes Unternehmen mit Kräutern beliefert“, erzählt der Enkelsohn.

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