Apothekensterben

Schmidt: Habt Vertrauen

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Berlin -

Eine eigene Apotheke zu führen, ist offenbar für immer weniger junge Apotheker eine attraktive Option. Immer öfter finden Inhaber keinen Nachfolger. ABDA-Präsident Friedemann Schmidt äußerte in der aktuellen Ausgabe der Apotheken Umschau die Vermutung, dass dem Nachwuchs das Vertrauen in die Zukunft fehlt.

Schmidt hat dafür Verständnis: „Kein Wunder, dass junge Kollegen kein Vertrauen mehr in die Zukunft haben.“ Denn während in der Öffentlichkeit noch immer „die Mär von den Apothekenpreisen kursiert, sind wir schon lange von der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung abgekoppelt“, sagte er gegenüber der Apotheken Umschau.

Schmidt fordert von der Politik weiter ein Rx-Versandverbot als Reaktion auf das Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zu den Bonusmodellen ausländischer Versandapotheken. Doch das reicht aus Sicht des ABDA-Präsidenten nicht aus. Benötigt würden „neue Modelle, wie sinnvolle zusätzliche Versorgungsleistungen der Apotheken finanziert werden können“. Außerdem müsse es mehr Ausbildungsplätze für den Nachwuchs geben.

Denn ansonsten sieht Schmidt schwarz für seinen Berufsstand: „Ohne Vertrauen in die Zukunft werden wir dem Versandhandel bald nichts mehr entgegensetzen können.“ Wenn so viele Apotheker keine Perspektive mehr für eine Existenz als Selbstständige sehen, liege das nicht nur am scharfen Wettbewerb, „sondern leider auch an den politischen Rahmenbedingungen“, so Schmidt im Gespräch mit der Umschau.

Für das Apothekensterben bietet der ABDA-Präsident zudem eine weitere Erklärung an: Die geburtenstarken Jahrgänge erreichen nach und nach das Rentenalter. In der Folge wird vermutlich nicht jeder Baby-Boomer-Inhaber seine Apotheke an den Mann bringen können. Deutlich mehr mit der Situation vor Ort zu tun hat die Tatsache, dass es auf dem Land auch immer weniger Ärzte gibt.

Mit 19.748 Apotheken war deren Zahl im vergangenen Jahr auf den Tiefststand seit 1987 gesunken. Zum Vergleich: Um die Jahrtausendwende hatte es 21.592 Apotheken gegeben. Die Konkurrenz des Versandhandels ist laut Apotheker Erik Modrack, der im Beitrag ebenfalls zu Wort kommt, nicht das größte Problem. Das gesamte System sei chronisch unterfinanziert. Obwohl die Einnahmen der Kassen seit 2004 um 61 Prozent gestiegen seien, hätten die Apotheken davon kaum profitiert.

Sollte sich der Abwärtstrend bei den Apothekenzahlen weiter fortsetzen, wären Modrack zufolge vor allem Senioren mit eingeschränkter Mobilität die Betroffenen. Doch auch Familien mit kleinen Kindern seien auf eine hohe Apothekendichte angewiesen, wenn sie nachts schnell ein Medikament benötigten.

Allerdings gibt es Modrack zufolge auf Profiteure: „Der Versandhandel braucht das Apothekensterben, damit dann in unterversorgten Gebieten ein Markt für ihn entsteht.“ Daher sei jedes vor Ort eingelöste Rezept auch eine Stimme für die Apotheke vor Ort.

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