Interview Dr. Kai Christiansen

Kammerchef: „Apotheken kommen aus einer Art Reservat“ Lothar Klein, 28.05.2018 10:16 Uhr

Berlin - Mit 49 Jahren ist Dr. Kai Christiansen in Schleswig-Holstein der jüngste Kammerpräsident der Republik. Den Schwerpunkt seiner Arbeit will er auf den pharmazeutischen Nachwuchs für die Apotheken legen. Im Interview mit APOTHEKE ADHOC setzt Christiansen aber auch andere politische Akzente als die ABDA: Mit dem Versandhandel hat er „kein Problem“, „er ist nicht der Sargnagel für die Apotheken“, sagt Christiansen. Keine Angst hat er vor dem E-Rezept, im Gegenteil. Und von der ABDA wünscht sich Christiansen in der politischen Auseinandersetzung mehr Offensive: „Die ABDA muss hin und wieder ihre Wagenburg auch mal verlassen.“

ADHOC: Auf welche Themen wollen Sie als neuer und jüngster Kammerpräsident den Schwerpunkt Ihrer Arbeit legen?
CHRISTIANSEN: Aus meinen persönlichen Erfahrungen als Leiter einer Landapotheke sehe ich als drängendstes Problem die Nachwuchsgewinnung. Wir benötigen nicht nur junge Pharmazeuten, sondern PTA und PKA. Da müssen wir unbedingt aktiver werden. Nicht nur auf dem Land haben wir große Probleme, Stellen zu besetzen. Apotheken mussten deshalb schon schließen. Mitarbeiter haben teilweise weite Anfahrtswege zu ihren Arbeitsplätzen. Das ist auch eine Folge der Landflucht. Junge Menschen wohnen offensichtlich lieber in Städten.

ADHOC: Was wollen Sie dagegen unternehmen?
CHRISTIANSEN: Wir müssen zunächst hier in Schleswig-Holstein dafür sorgen, dass die Zahl der Pharmaziestudienplätze an der Universität Kiel nicht durch Einsparungen bei den Doktorandenstellen verringert werden. Wir müssen dann die Pharmazie und den Beruf Apotheker wieder interessanter machen. Das geht nicht nur auf Landesebene, da muss auch die ABDA mithelfen.

ADHOC: Leichter gesagt als getan: Welche Ideen bringen Sie dazu mit?
CHRISTIANSEN: Das Pharmaziestudium ist ein attraktives Studium. Es steht aber nicht so im Fokus wie beispielsweise die Medizin. Das müssen wir ändern. Es ist zu wenig bekannt, dass die Pharmazie den Weg in viele Berufsfelder öffnet, nicht nur in die Apotheke, sondern auch in die Industrie, in die Verwaltung, in die Wissenschaft oder ins Krankenhaus. Die Pharmazie wird häufig als Anhängsel der Medizin gesehen und nicht als eigenständiger Bereich wahrgenommen. Die ABDA muss sich mehr ums Image des Berufs kümmern. Wie bei der aktuellen Imagekampagne müssen auch dafür von der ABDA Mittel bereit gestellt werden.

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