Rx-Boni: 5 Euro tun Apotheken nicht weh | APOTHEKE ADHOC
Monopolkommission

Rx-Boni: 5 Euro tun Apotheken nicht weh

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Berlin -

Zwei Monate nach seinem letzten Auftritt durfte der Vorsitzende der Monopolkommission, Professor Dr. Achim Wambach, gestern wieder in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) gegen das geplante Rx-Versandverbot poltern. Er äußert massive Kritik an den Plänen von Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) und schlägt stattdessen vor, Rx-Boni für alle Apotheken zuzulassen und diese zu deckeln – allerdings weit oberhalb dessen, was derzeit üblich ist.

Wambach hat laut FAZ schwerwiegende europa- und verfassungsrechtliche Bedenken: Ein Rx-Versandverbot sei ein schwerer Eingriff und könne nur gerechtfertigt werden, wenn es geeignet und erforderlich sei, einer Gefährdung der Versorgung oder der finanziellen Stabilität des Systems vorzubeugen.

Beides sei nicht der Fall, das Verbot sei „nicht alternativlos“, so Wambach: Es gebe mehrere Wege, die Versorgung mit Arzneimitteln sicherzustellen, etwa höhere Pauschalen für Nacht- und Notdienste oder ein begrenzter Preiswettbewerb.

Ein Verbot greife in den EU-weit geschützten Wettbewerb ein und schalte das Internet als Vertriebskanal zum Schutz stationärer Apotheken aus, so der Vorsitzende der Ökonom. Damit werde die Loyalitätspflicht gegenüber der EU verletzt. Auch vor dem Bundesverfassungsgericht lässt sich laut Wambach die Einschränkung der freien Berufsausübung als grundgesetzlich geschütztes Recht nicht durch „bloße Gefährdungspotentiale“ rechtfertigen. „Rein hypothetische Annahmen reichen nicht aus“, so Wambach. Die Rechtsprechung verlange objektive Belege.

Wambach hat neben rechtlichen auch wirtschaftspolitische Einwände. Ein Rx-Versandverbot sei eine „ökonomisch falsche Weichenstellung“, da die Position der Apotheker gestärkt und der Wettbewerb geschwächt würden. Es entfielen Anreize, neue und effizientere Vertriebsformen auszuprobieren. Mit den Versendern würde ein „erprobtes Geschäftsmodell aus dem Markt gedrängt“, Stellen gingen verloren.

In Regionen ohne Präsenzapotheke könne schlecht auf Versandhändler verzichtet werden, auch chronisch Kranke nutzten den Versandhandel stark. Außerdem würden Verbesserungen der Versorgung verhindert, die durch die Digitalisierung erst ermöglicht würden. „In einer zunehmend vernetzten Welt, in der unter dem Schlagwort E-Health verstärkt Informations- und Kommunikationstechnologien zum Einsatz kommen, wäre das ein falsches Signal.“

Rabatte von bis zu 2,50 Euro je Packung seien für viele Kunden ein hoher Anreiz, dort trotz längerer Lieferzeit zu ordern, räumt Wambach ein. Um die Diskriminierung inländischer Apotheken zu beenden, schlägt er vor, den Festpreis ganz aufzuheben und allen Apotheken Rabatte zu erlauben.

„Um den niedergelassenen Apotheken die Sorge vor Umsatzverlusten wegen des schärferen Preiswettbewerbs zu nehmen, sollte die Höhe des Rabatts begrenzt werden“, schreibt die FAZ mit Bezug auf Wambach. Der Ökonom schlägt als Höhe „etwa die Hälfte des Betrags der Selbstbeteiligung“ vor, also zwischen 2,50 und 5 Euro je Packung.

Das ist weit mehr als das, was derzeit in den Niederlanden zu bekommen ist: Sowohl DocMorris als auch die Europa Apotheek Venlo (EAV) gewähren aktuell 2,50 Euro pro Rx-Arzneimittel. Nur im hochpreisigen Bereich steigt der Bonus bei der EAV auf 5 Euro (ab 70 Euro) beziehungsweise 10 Euro (ab 300 Euro).

Wambach ist trotzdem überzeugt, dass mit dem Deckel „die Heftigkeit des entstehenden Rabattwettbewerbs gemildert“ wird. Die Auswirkungen auf die Umsätze der Apotheken hielten sich in Grenzen. Er gehe davon aus, dass vor allem die Apotheken in Ballungsräumen mit einer hohen Apothekendichte Rabatte geben müssten, während die Pharmazeuten auf dem Lande mit einer geringen Apothekendichte womöglich komplett verschont würden.

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