Interview mit Umschau

Lauterbach: Zu wenig Apotheker fürs Land

, Uhr aktualisiert am 30.11.2023 20:27 Uhr
Berlin -

„Diskussion mit Leuten an der Basis bringt am meisten, wenn vor Ort kein Wahlkampf ist“, teilte Bundesgesundheitsminister Professor Karl Lauterbach (SPD) via „X“ mit. Doch mit den Apothekenteams geht Lauterbach nicht in die Diskussion und auch nur selten mit der Abda. Im Interview mit der Apotheken Umschau deutete er an, wie er sich die Vergütung von Landapotheken vorstellt – und warum an Light-Filialen kein Weg vorbei führt.

Immer wieder habe er zum Ausdruck gebracht, dass er Apotheker:innen sehr schätze. Mehr noch: „Wir nutzen die wichtige Ressource Vor-Ort-Apotheke noch viel zu wenig.“ In der Pandemie hätten sie doch Großartiges geleistet, so Lauterbach. „Ich traue ihnen viel zu.“

„Die Standesvertretung, also die Abda, vermittelt aber teilweise den Eindruck, als wäre meine einzige Möglichkeit, Wertschätzung zu zeigen, die Erhöhung des Honorars von 8,35 Euro pro Packung auf 12 Euro. Das macht es für mich schwierig, da wir derzeit geringe finanzielle Spielräume haben.“

Dafür, dass Apotheken dem Minister mit Protest entgegentreten, hat er „sehr viel Verständnis“. Aber: „Mein Vorgänger hinterließ mir ein Kassendefizit von 17 Milliarden. So ein Defizit gab es noch niemals. Wir haben es ausgeglichen.“

Notdienstzuschuss für Landapotheken

Das Geld ist also knapp, eine Honorarerhöhung nicht in Sicht. Aber von finanziellen Anreizen in strukturschwachen Regionen ist die Rede. Lauterbach hat im Interview verraten, wie die geplante Unterstützung in strukturschwachen Regionen aussehen soll: Einige Kolleg:innen auf dem Land müssten zwei Notdienste pro Woche stemmen. „Das ist beachtlich“, so Lauterbach. „Ich kenne wenige Berufsgruppen, die dazu noch bereit wären“, fügt der Minister hinzu.

Das werden wir besser vergüten.

Eine bessere Notdienstvergütung reiche jedoch nicht, um die finanzielle Kluft zwischen den großen und kleinen Apotheken zu schließen. Welche „Hebel“ Lauterbach noch nutzen will, wird nicht verraten. „Wir arbeiten an einem Gesetzesentwurf.“

Auch den Light-Filialen hält Lauterbach fest. „Das wollen wir nicht flächendeckend einführen, sondern in unterversorgten Gebieten ermöglichen.“ Bestehende Filialen sollen nicht umgewandelt werden. Das Konzept sei für die Regionen gedacht, wo sich die Frage stelle: „Habe ich eine Filialapotheke oder gar keine Apotheke?“

„Mir wären Filialen lieber als dort alles dem Versandhandel zu überlassen“, so Lauterbach. Dass PTA in den Filialen mehr Verantwortung übernehmen können, hält der Minister für einerAufwertung des Berufes.

Um die Versorgung auf dem Land mit Apothekerinnen und Apothekern abzudecken – dafür haben wir gar nicht genug Nachwuchs. Und daran würde übrigens auch eine Anpassung der Honorare nichts ändern.

Dass auch PTA längst zum Engpass-Beruf zählt, lässt der Minister unkommentiert.

Attraktivität steigern

Wenn auch eine Honorarerhöhung keine Attraktivitätssteigerung bedeutet – was dann? Mehr Kompetenzen und ein Ablegen von Standesdenken. „Ich setze auf ein Miteinander der unterschiedlichen Berufsgruppen. Nur so können wir die Versorgungsqualität bieten, die wir bieten wollen.“ So sollen Apotheken wichtige medizinische Aufgaben in Kooperation mit den Ärzt:innen übernehmen.

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