Medikamentepreise: „Keine Relation zum Nutzen“

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Berlin - Im Arzneimittelbereich werden zwar Milliarden durch die verschiedenen Kostendämpfungsmaßnahmen eingespart. Dennoch steigen die Ausgaben der Kassen kontinuierlich. Schuld sind laut aktuellem Arzneiverordnungs-Report (AVR) vor allem innovative Präparate – die oft wenig innovativ seien. Die Industrie weist die Vorwürfe zurück.

Die Herausgeber Professor Dr. Ulrich Schwabe und Professor Dr. Wolf-Dieter Ludwig attestieren, dass durch gesetzliche Maßnahmen 16,8 Milliarden Euro bei den Arzneimittelkosten eingespart werden. Dennoch seien die Ausgaben der Kassen für Medikamente im vergangenen Jahr um 5,4 Prozent auf 43,4 Milliarden Euro gestiegen. Hauptursache seien neue hochpreisige patentgeschützte Arzneimittel.

So sei der Trend am stärksten ausgeprägt bei

  • Onkologika (8,2 Milliarden Euro, plus 13,7 Prozent),
  • Immunsuppressiva (5,6 Milliarden Euro, plus 7,5 Prozent),
  • Antithrombotika (2,6 Milliarden Euro, plus 10 Prozent) und
  • Dermatika (1,9 Milliarden Euro, plus 13,5 Prozent).

Ein Hauptgrund für die Kostenprobleme sei ein sechsfacher Anstieg der durchschnittlichen Jahrestherapiekosten neu eingeführter Patentarzneimittel von 34.253 Euro auf 217.312 Euro in den letzten zehn Jahren.

Dabei stünden die hohen Arzneimittelpreise in keiner erkennbaren Relation zum erzielten therapeutischen Fortschritt. Nach zehn Jahren Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) zeige eine Analyse der frühen Nutzenbewertung, dass nur in 45 Prozent der Beschlüsse des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) ein belegter Zusatznutzen konstatiert wurde. Eine besondere Herausforderung für die Nutzenbewertung seien hochpreisige Arzneimittel für die Gentherapie und andere neuartige Therapien.

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