Arzneimittelverordnungsreport

AOK-Chef lästert über „Barmherzigkeitsrabatte“ APOTHEKE ADHOC, 20.09.2018 13:59 Uhr

Berlin - Die Arzneimittelausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) inklusive der Zuzahlung der Versicherten sind 2017 erneut deutlich gestiegen: Um 3,7 Prozent gingen die Kosten nach oben. Die Autoren des Arzneiverordnungsreports 2018 (AVR) haben dafür auch Schuldige ausgemacht: patentgeschützte Hochpreiser. Die Politik habe bereits die Möglichkeiten, den Hochpreistrend zu stoppen, nutze sie aber nicht, kritisieren sie.

39,9 Milliarden Euro gaben die Krankenkassen 2017 für Arzneimittel aus, das sind 1,4 Milliarden mehr als im Vorjahr. Für die vergangenen fünf Jahre errechnete Report-Herausgeber Prof. Dr. Ulrich Schwabe damit Mehrausgaben von 8,6 Milliarden Euro, „obwohl es mehrere gesetzliche Möglichkeiten zur Ausschöpfung von Wirtschaftlichkeitsreserven gibt“. Zentral sind die Arzneimittelfestbeträge: Mit ihnen seien pro Jahr 7,9 Milliarden Euro, vor allem für Generika, eingespart worden. Darauf folgen die Rabattverträge mit 4 Milliarden und schließlich das AMNOG-Verfahren mit 1,8 Milliarden.

„Trotzdem konnte der kontinuierliche Anstieg der Ausgaben nicht aufgehalten werden“, so Schwabe, wofür vor allem die patentgeschützten Arzneimittel verantwortlich seien. Mit 18,5 Milliarden Euro entfiel auf sie beinahe die Hälfte der Gesamtkosten: Ihr Umsatzanteil habe sich in den letzten 20 Jahren von 33 auf 45 Prozent erhöht. Mit durchschnittlich 6,98 Euro am Tag seien sie mittlerweile rund 20 mal teurer als Generika, die nur auf 36 Cent kommen.

Schwabe verwies darauf, dass man dieses Missverhältnis in anderen europäischen Ländern besser zu managen wisse. „Andere Länder regeln beispielsweise die Preisbildung vor dem Markteintritt, wir tun das nur bei Generika“, kritisierte er. So sei Humira in den Niederlanden 33 Prozent günstiger als in Deutschland. Auch Biosimilars seien in Nachbarländern billiger.

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