DAV-Frühinformationen

Arzneimittelausgaben steigen schneller als erlaubt

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Berlin -

Die Ausgaben der Krankenkassen für Arzneimittel sind im August 2018 um 5,0 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat angestiegen bei gleichzeitig leicht rückläufigen Rezeptzahlen (-0,4 Prozent). Im Gesamtzeitraum Januar bis August 2018 erhöhten sich die GKV-Arzneimittelausgaben um 4,7 Prozent und die Zahl der Rezepte um 1,0 Prozent. Damit stiegen die Ausgaben in den ersten acht Monaten stärker als zwischen Kassen und Ärzten abgesprochen – für 2018 vereinbart waren 3,2 Prozent.

Die GKV-Ausgaben für Impfstoffe haben sich im August 2018 um 8,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat verringert. Im gesamten Zeitraum ergibt sich hier ein durchschnittlicher Anstieg von 3,0 Prozent. Erste Hintergrundanalysen für das erste Halbjahr 2018 zeigen laut DAV-Frühinformationen, dass mehr Vakzine gegen FSME abgegeben worden sind, während HPV-Impfstoffe rückläufig gewesen sind. Beim Pertussis-Impfstoff ist eine Verschiebung vom Dreifach zum Vierfachkombinationsimpfstoff zu beobachten.

In den Zahlen sind die Einsparungen der GKV durch Rabattverträge nach § 130a Abs. 8 SGB V nicht enthalten. Die Einsparvolumina werden quartalsweise von den Kassen gemeldet und vom Bundesgesundheitsministerium veröffentlicht. Für das erste Halbjahr 2018 belaufen sich die Einsparungen aus Rabattverträgen gemäß den vorläufigen Rechnungsergebnissen auf 2,1 Milliarden Euro; das sind rund 6 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Auch nicht in den Zahlen enthalten sind die Einsparungen der GKV durch die erzielten Rabatte bei Impfstoffausschreibungen.

Insgesamt gaben die Kassen bis August knapp 24 Milliarden Euro für Arzneimittel aus. Für das Gesamtjahr erwartet der DAV hochgerechnet Ausgaben in Höhe von knapp 36 Milliarden Euro. Besonders stark war der Ausgabenanstieg in Niedersachsen mit knapp 6 Prozent, in Brandenburg mit 6,5 Prozent und erneut in Bayern mit 6,85 Prozent. Unterdurchschnittliche Steigerungen gab es in Bremen und Hamburg sowie Schleswig-Holstein und Thüringen.

Bereits 2017 waren die Arzneimittelausgaben der Krankenkassen schneller gestiegen als zwischen Ärzten und Krankenkassen vereinbart. Laut BMG stiegen die Gesamtausgaben um 4 Prozent oder 1,42 Milliarden Euro auf 39,88 Milliarden Euro. Vereinbart war ein Anstieg von 3,2 Prozent. Darin enthalten ist auch das Apothekenhonorar. Rabattverträge sind berücksichtigt.

Pro Patient stiegen die Arzneimittelausgaben im vergangenen Jahr um 2,8 Prozent. Das stärkere Gesamtausgabenwachstum ist daher auf die gestiegene Zahl der GKV-Versicherten zurückzuführen. Nach Angaben des DAV erhöhte sich die Anzahl der GKV-Versicherten um knapp 800.000 (plus 1 Prozent) auf fast 73 Millionen. Zugleich sank aber die Zahl der verordneten Arzneimittelpackungen um 2,1 Prozent auf 741 Millionen. Gestiegen sind 2017 erneut auch die Einsparungen der Kassen aufgrund von Rabattverträgen. Laut BMG betrug der Anstieg 4,3 Prozent. Danach lagen die Kassenersparnisse aus Rabattverträgen erstmals knapp über vier Milliarden Euro. 2016 waren die Rabatterlöse sogar um 7,8 Prozent auf rund 3,85 Milliarden Euro gestiegen.

Für das kommende Jahr haben sich Kassen und Ärzte kürzlich auf einen Ausgabenrahmen von Plus 3,7 Prozent verständigt. Danach können die Arzneimittelausgaben im Jahr 2019 um 1,4 Milliarden Euro steigen. Für den Hauptteil des Wachstums sind laut Rahmenvertrag neue Arzneimittel verantwortlich, insbesondere Onkologika, die zunehmend ambulant verschrieben werden. Auch bei den Heilmitteln wird es jedoch teurer, hier erwarten die Vertragspartner eine Steigerung von 0,8 Prozent. Dafür wurde kein neues Sonderausgabenvolumen für die Behandlung von Hepatitis C mit den dafür ab 2014 zugelassenen Arzneimitteln mehr festgelegt.

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