LAV-Beitrag: 50 Euro pro Monat für Gedisa | APOTHEKE ADHOC
Streit um das Millionenprojekt

LAV-Beitrag: 50 Euro pro Monat für Gedisa

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Berlin -

Der Deutsche Apothekerverband (DAV) baut seine eigene Digitalgesellschaft Gedisa auf und benötigt dafür einen zweistelligen Millionenbetrag. Das Geld wird jetzt bei den Apotheker:innen eingesammelt: Der Apothekerverband Nordrhein (AVNR) hat eine Erhöhung des Mitgliedsbeitrags um 50 Euro monatlich beschlossen. Andere Verbände haben ebenfalls schon erhöht, die Mitglieder merken dies allerdings oft erst, wenn die Rechnungen kommen. Der Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL) entscheidet erst in zwei Wochen über die Teilnahme an dem Projekt – die Zeichen stehen aber nicht besonders gut.

Bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des AVNR im Dezember wurde die Erhöhung fast einstimmig bei nur einer Enthaltung beschlossen. Für jede Hauptapotheke werden im neuen Jahr 2580 Euro fällig und für Filialapotheken 2160 Euro. Der Zuschlag von 600 Euro jährlich für Gedisa entspricht also einer Steigerung um rund ein Drittel.

AVNR-Chef Thomas Preis sieht bei der Digitalisierung der öffentlichen Apotheken große Aufgaben auf den Berufsstand zukommen. Das Ausstellen der Impfzertifikate, die Meldung der Daten aus der Impfkampagne an das Robert Koch-Institut (RKI) und nicht zuletzt die bevorstehende Einführung des E-Rezepts – die Zahl der digitalen Herausforderungen werde weiter steigen. Umso wichtiger sei es, dass sich der Verband an der Finanzierung der eigenen Digitalgesellschaft beteilige, verteidigt Preis die Erhöhung der Mitgliedsbeiträge. Die Gedisa müsse unbedingt mit ausreichenden Mitteln ausgestattet werden.

18 Millionen Euro Kosten?

Und der Finanzbedarf ist erheblich. Allein der benachbarte AVWL sollte mit 600.000 Euro jährlich für die kommenden drei Jahre zur Kasse gebeten werden. Da der AVWL etwa einen Anteil von 10 Prozent im DAV ausmacht, sind die Gesamtinvestitionen für Gedisa auf 18 Millionen Euro zu veranschlagen.

Der inzwischen bestellte Gedisa-Geschäftsführer Sören Friedrich war im Dezember noch in Funktion als Abteilungsleiter IT/Telematik der Abda zu Gast beim AVNR, um über das Projekt zu sprechen. Er betonte die Bedeutung einer apothekeneigenen Lösung. Zentrales Ziel sei es, diverse Angebote zu bündeln und den Apotheken anzubieten. Neue Funktionen sollen unter anderem eine sichere Chat-Funktion sowie ein Tool zur Terminvereinbarung für Kund:innen sein. Für die Apotheken würde die Finanzierung circa 50 Euro pro Monat bedeuten – die zumindest beim AVNR dann auch von den Mitgliedern schon so durchgewinkt wurde.

Doch was gilt für Apotheken, die nicht Mitglied in einem Landesapothekerverband (LAV) sind – oder deren Verband sich in Gänze nicht beteiligt? Sofern Gedisa Aufgaben übernimmt, die den Apotheken von der Politik übertragen werden, müssen die Services auch Nichtmitgliedern diskriminierungsfrei zur Verfügung gestellt werden. Der DAV hat diese Erfahrung bei den Impfzertifikaten bereits schmerzlich gemacht. Allerdings muss die Leistung nicht kostenlos erbracht werde: Nichtmitglieder soll gegen Gebühr ein Zugang gewährt werden.

Das könnte auf alle Apotheken in Westfalen-Lippe zutreffen, wenn sich der Verband bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 5. Februar gegen eine Teilnahme an Gedisa entscheidet. Der AVWL-Vorstand wollte diese weitreichende Entscheidung aufgrund der großen Summe den Mitgliedern überlassen. Eigentlich sollte das schon Anfang September geschehen. Aber der Tagesordnungspunkt wurde kurzfristig gestrichen, weil noch keine Detailpläne zu Gedisa vorlagen.

„Leider hat sich die Informationslage in der Zwischenzeit kaum verbessert“, schreibt der AVWL jetzt in der Einladung zum anstehenden Treffen. Zwar habe der DAV einen „Businessplan-Light“ vorgelegt, dieser sage aber nichts über die „Erfolgsaussichten und Realisierbarkeit des Projektes“.

DAV drängt auf Entscheidung

Ein Beitritt zu Gedisa sei schon aufgrund der erheblichen Kosten mit erheblichen Risiken verbunden, schreibt der AVWL-Vorstand weiter. Der Verband müsse bis mindestens Ende 2024 erhebliche Finanzmittel in Höhe von circa zwei Drittel eines Jahreshaushaltes verbindlich zur Verfügung stellen. Darüber hinaus sehe der Vertrag „eine Vielzahl weiterer diskussionswürdiger Regelungen“ vor. Es seien aber auch die Chancen zu erörtern, die mit einem solchen Projekt für die Apothekerschaft verbunden sein könnten.

Der AVWL-Vorstand will die Entscheidung den Mitgliedern überlassen, hält mit seiner ablehnenden Haltung aber nicht unbedingt hinter dem Berg: „Der DAV drängt auf eine Entscheidung des AVWL, weshalb der Vorstand nun entschieden hat, der Mitgliederversammlung die Sache zur Beschlussfassung vorzulegen, trotz der Tatsache, dass das Vorhaben derzeit nicht seriös zu bewerten ist.“

Sollte der AVWL nicht einsteigen, sind zumindest die Kosten für den Aufbau für die anderen Apotheken entsprechend höher. Auf der anderen Seite wäre zu erwarten, dass die Nichtmitglieder für die Nutzung der Dienste später gehörig zur Kasse gebeten werden.

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