Digitalgesellschaft: Geheimniskrämerei um Gedisa

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Berlin -

Die Landesapothekerverbände und der Deutsche Apothekerverband (DAV) wollen unter dem Namen Gedisa eine Digitalgesellschaft gründen. Dem Vernehmen nach haben bereits mehrere Verbände zugestimmt, sich zu beteiligen und ihren Anteil zum millionenschweren Finanzbedarf der neuen Gesellschaft beizusteuern. Wofür genau die Mitgliedsbeiträge aufgewendet werden sollen, darüber schaffen weder DAV noch die Verbände bisher Transparenz. Erst solle über das finale Projekt entschieden, dann die Öffentlichkeit und die Mitglieder informiert werden, heißt es hinter vorgehaltener Hand.

Die Öffentlichkeit soll möglichst wenig über die zu gründende Digitalgesellschaft Gedisa erfahren, so lange nicht alles beschlossen ist. „Der DAV beabsichtigt, eine ‚Gesellschaft für digitale Services der Apotheken‘ zu gründen“, hieß es kürzlich in einem internen Schreiben des Apothekerverbands Westfalen-Lippe (AVWL), der dafür rund 600.000 Euro im Jahr zahlen soll. Zweck der Gedisa solle die Entwicklung und der Betrieb digitaler Anwendungen im Gesundheitswesen sein, wozu Daten-Schnittstellen zur Beschreibung von IT-Dienstleistungen zählen, die nicht nur Apotheken und deren Verbänden zur Nutzung bereitgestellt werden sollen, sondern auch Patienten und Kunden sowie anderen Institutionen und Unternehmen im Gesundheitswesen.

„Dieser Zweck soll insbesondere durch die Entwicklung, den Aufbau und den Betrieb von cloudbasierten Dienstleistungsangeboten für Apotheken und deren Verbände sowie in deren Auftrag durch die Bereitstellung von Applikationen und Kommunikationsplattformen für Patienten verwirklicht werden“, schrieb der AVWL an seine Delegierten. Am 8. September sollen sie auf einer vorgezogenen Präsenz-Mitgliederversammlung über Ausrichtung und Finanzbedarf diskutiert werden – in Anwesenheit eines DAV-Vertreters, der vom AVWL speziell für die Aussprache eingeladen werde.

Was genau Gedisa machen soll, wie hoch der Finanzbedarf insgesamt ist und weshalb überhaupt eine neue Gesellschaft gegründet werden soll, wenn es doch unter dem Dach der Abda mit Avoxa, NGDA und Abdata bereits Digitalgesellschaften gibt, verrät der AVWL auf Nachfrage jedoch nicht. Berlin wiederum weist die Verantwortung von sich: „Nicht der DAV, sondern die Landesapothekerverbände planen, eine Gesellschaft zu gründen“, erklärt der DAV auf Anfrage und im Widerspruch zu dem, was der AVWL seinen Delegierten geschrieben hatte. „Art und Umfang der Leistungen der Gesellschaft und das notwendige Finanzierungsvolumen werden von den künftigen Gesellschaftern selbst festgelegt und entschieden.“ Die DAV-Geschäftsstelle unterstütze und koordiniere diesen Prozess allerdings. Wer Informationen zu Gedisa wolle, müsse sich an die Landesverbände wenden. Doch dort bleiben die Lippen verschlossen.

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