Knappe Entscheidung

AVWL sagt Gedisa ab

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Berlin -

Der Apothekerverband Westfalen Lippe (AVWL) wird sich nicht an der Gesellschaft für digitale Services der Apotheken (Gedisa) beteiligen. Damit ist der AVWL die einzige Mitgliedsorganisation, die nicht mit an Bord ist. Trotz der äußerst knappen Entscheidung gegen die Beteiligung können auf die Mitgliedsapotheken Kosten bei der Nutzung digitaler Formate der Gedisa zukommen.

Die Mitgliederversammlung des AVWL entschied gestern, dass sich der AVWL nicht als Gesellschafter an der Gedisa beteiligen wird. „Die Entscheidung ist denkbar knapp ausgefallen“, sagt eine Sprecherin. 40 Mitglieder votierten gegen eine Beteiligung. 40 dafür. Zudem gab es fünf Enthaltungen. Nötig wäre eine einfache Mehrheit gewesen. Auf die Frage „Soll sich der AVWL als Gesellschafter an der Gedisa beteiligen?“, hätte eine einfache Mehrheit mit Ja stimmen müssen. Diese Einschätzung sei von dem externen Experten für Vereinsrecht, Rechtsanwalt Ralf Wickert, bestätigt worden.

Zu wenig Unterlagen vorhanden

Der Vorstand hatte zuvor in der Diskussion betont, dass die Idee hinter der Gedisa vom Grundsatz her gut und richtig sei. Doch gehe es bei der Entscheidung nicht um die Vision, sondern um die Frage, ob es unternehmerisch vertretbar ist, dass der AVWL sich an dieser Gesellschaft beteiligt. Der Vorstand hatte darauf hingewiesen, dass es anhand der wenigen und rudimentären Unterlagen, die dem AVWL durch die Gedisa vorab zur Verfügung gestellt worden waren, nicht möglich gewesen sei, die Chancen und Risiken des Vorhabens zuverlässig zu bewerten.

Video-Appell half nicht

Der DAV versuchte vergangene Woche mit einem Video-Appell der Vorsitzenden des Berliner Apotheker Vereins (BAV), Anke Rüdinger, die Vorteile aufzuzeigen. Sie äußerte sich zum aktuellen Stand und zur Zukunft des DAV-Apothekenportals und warnte vor einer Gefahr des destruktiven Wettbewerbs durch Plattformen.

Nach der Entscheidung hatte der Vorstand versichert, den Auftrag anzunehmen und auch die Einzelinteressen derjenigen zu vertreten, die individuell die Leistungen der Gedisa nutzen möchten. Konkret heißt das, wenn die Gedisa Aufgaben übernimmt, die den Apotheken von der Politik übertragen werden, müssen die Services auch Nichtmitgliedern diskriminierungsfrei zur Verfügung gestellt werden. Der Deutsche Apothekerverband (DAV) hat diese Erfahrung bereits bei den Impfzertifikaten gemacht, die über das Apothekenportal ausgestellt werden. Allerdings muss die Leistung nicht kostenlos erbracht werde: Nichtmitglieder soll gegen Gebühr ein Zugang gewährt werden.

Nur AVWL fehlt

Alle restlichen 16 Landesapothekerverbände und -vereine sind als Gründungsmitglieder mit an Bord. Die Gesellschaft besteht seit November. Ihr Zweck sind laut Abda die Entwicklung und der Betrieb digitaler Angebote im Gesundheitswesen, die vor allem den Apotheken, aber auch ihren Verbänden, den Patient:innen und Kund:innen sowie anderen Institutionen und Unternehmen zugutekommen sollen. Betrieben werden digitale Angebote wie Mein Apothekenportal oder Mein Apothekenmanager.

Für den Aufbau der Gedisa benötigt der DAV einen zweistelligen Millionenbetrag. Das Geld wird auch bei den Apotheker:innen eingesammelt: Der Apothekerverband Nordrhein (AVNR) beschloss unlängst eine Erhöhung des Mitgliedsbeitrags um 50 Euro monatlich. Andere Verbände haben ebenfalls schon erhöht.

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