Apothekerverband Westfalen-Lippe

AVWL-Chef Michels tritt zurück

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Berlin -

Ein kleines standespolitisches Erdbeben hat sich in Westfalen-Lippe ereignet: Der Vorsitzende des Apothekerverbands (AVWL), Dr. Klaus Michels, hat mit sofortiger Wirkung seinen Rücktritt erklärt. Als Nachfolger wurde bereits Thomas Rochell gewählt.

„Staffelstabübergabe zur Halbzeit“, heißt es in einer Mitteilung des Verbands an die Mitglieder über den plötzlichen Rücktritt. Michels wird mit den Worten zitiert: „Nach 14 Jahren an der Spitze des AVWL und 30 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit für den Verband ist nun inmitten der Wahlperiode auch aus persönlichen Gründen der richtige Zeitpunkt, die Aufgabe geordnet in andere erfahrene Hände zu legen.“ Seinen Nachfolger Rochell lobt er als „äußerst versiert“; der wiederum dankt Michels für „sein großes Engagement für die westfälisch-lippischen Apothekeninhaber und seine enormen Leistungen für den Berufsstand in den vergangenen 30 Jahren“. Rochell: „Er hat die Interessen der Apotheken vor Ort auf Landes- wie auch auf Bundesebene immer höchst erfolgreich und mit großer Leidenschaft vertreten.“

Rochell wird die Aufgabe zunächst bis zur turnusmäßigen Neuwahl des Vorsitzenden im Jahr 2023 fortführen. Er war intern ohnehin designierter Nachfolger von Michels. Den frei gewordenen Posten im Vorstand wird der AVWL allerdings nicht schon bei der Mitgliederversammlung am Mittwoch neu besetzen können, weil die Wahl nicht auf der Tagesordnung steht.

Die AVWL-Mitgliederversammlung versprach ohnehin schon spannend zu werden. Denn Top 5 „Mögliche Beteiligung des AVWL an der Gründung der Gedisa – Gesellschaft für digitale Services der Apotheken mbH durch die 17 Landesapothekerverbände“ war kurzfristig von der Tagesordnung entfernt worden. Weil den Landesverbänden über das Großprojekt bislang keine Details zum Business- und Finanzplan, dem Personalbedarf und de Betriebsstätte mitgeteilt wurden, soll die Beteiligung des AVWL per Beschlussfassung bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung besprochen werden. Nachfragen dazu dürfte es am Mittwoch dennoch geben, immerhin soll sich der AVWL mit jährlich 600.000 Euro, insgesamt 3,86 Millionen Euro bei Gedisa beteiligen.

Wegen des Binnenverhältnisses zum Deutschen Apothekerverband (DAV) soll es im AVWL zuletzt geknirscht haben, zumal Michels für den DAV mit den Krankenkassen verhandelt und informationspolitisch manchmal zwischen den Stühlen Platz nehmen muss. Ob das letztlich der Auslöser für den Abgang des AVWL-Chefs, ist aber nicht gesichert: Michels tritt offiziell aus persönlichen Gründen zurück und war für eine Stellungnahme bislang nicht zu erreichen.

Michels war seit 2007 Verbandschef. Dem Vorstand gehört er bereits seit 1991 an. Im November 2019 war er zum vierten Mal an die Spitze gewählt worden. Im AVWL-Vorstand sind neben Michels und Rochell außerdem Elke Balkau, Dr. Olaf Elsner, Johannes Hermes, Jörg Pesch und Manuela Schier.

Michels hat zwar unter anderem den neuen Rahmenvertrag für den DAV mit ausgehandelt, ist in der Vergangenheit aber auch immer wieder auf Distanz zur Standesvertretung in Berlin gegangen. So hatte er – abweichend von der Einschätzung der Abda – das Apothekenstärkungsgesetz (VOASG) scharf kritisiert. Weil das Rx-Boni-Verbot nicht für Privatversicherte gelte, droht laut Michels absehbar der gänzliche Wegfall der Preisbindung. Der Verlust weiterer fundamentaler Prinzipien für die Vor-Ort-Apotheke wie beispielsweise das Fremd- und Mehrbesitzverbot sei dann nur noch eine Frage der Zeit.

Nach dem Verkauf der Anteile am Apothekenrechenzentrum ARZ Haan ist der AVWL einer der reichsten Apothekerverbände des Landes. Laut Haushaltsplan 2021 hat der AVWL allein 12 Millionen Euro in Wertpapieren angelegt, dazu kommen gut gepolsterten Konten bei der Apobank, der Commerzbank und der Deutschen Kreditbank. Einschließlich dem neugebauten Apothekerhaus in Münster weist die Vermögensübersicht einen Betrag von 19,4 Millionen Euro aus.

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