Dittmar lehnt Sonderzahlung ab

Kein Corona-Bonus für MFA: Protestaktion in Berlin

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Berlin -

Seit 2020 kämpfen die Medizinischen Fachangestellten (MFA) in den Praxen um einen Corona-Bonus. Doch nachdem sich sogar die Gesundheitsminister:innen der Länder im Herbst dafür starkgemacht hatten, kam nun eine Abfuhr vom Bundesgesundheitsministerium (BMG). Die Ärzteverbände wollen den Protest der Gewerkschaft unterstützen.

Rund 400.000 MFA gibt es in Deutschland, sie stehen nach Angaben ihrer Gewerkschaft in der Corona-Krise an vorderster Front. Trotzdem werde ihre Arbeit von Politik und Krankenkassen nicht ausreichend anerkannt. Forderungen nach einem Bonus – analog zum Pflegepersonal in den Kliniken – seien nicht nur nicht erfüllt, sondern noch nicht einmal beantwortet worden: Weder die Gesundheitspolitiker des Bundestages noch Jens Spahn (CDU) hätten auf Schreiben reagierten, beklagte Hannelore König, Präsidentin des Verbandes medizinischer Fachberufe, schon 2020.

Im Herbst forderten schließlich die Gesundheitsminister:innen der Länder vom Bund eine Bonuszahlung für alle Arzthelferinnen und Arzthelfer. „Gemeinsam mit den Ärztinnen und Ärzten sind die medizinischen Fachangestellten seit Beginn der Corona-Pandemie – und natürlich auch jetzt in der vierten Welle – ein extrem wichtiges Bollwerk vor den Kliniken und tragen erheblich dazu bei, die Überlastung im öffentlichen Gesundheitsdienst aufzufangen“, sagte Gesundheitsminister Klaus Holetschek als damaliger Vorsitzender der Gesundheitsministerkonferenz (GMK).

In der vergangenen Woche lehnte das Bundesgesundheitsministerium (BMG) eine Prämienzahlung ab, Staatssekretärin Sabine Dittmar (SPD) sprach sich dagegen aus. Daher startet jetzt die Protestaktion „MFA am Limit“. Am Brandenburger Tor wollen Vertreter:innen heute auf die Problematik aufmerksam machen, die Aktion richtet sich vor allem an Bundestagsabgeordnete und Medienvertreter. Außerdem sollen zahlreiche Briefe von MFA an Vertreter des BMG übergeben werden.

Unterstützung kommt von den Ärzt:innen: „Unsere Praxismitarbeiterinnen und -mitarbeiter kämpfen mit uns gemeinsam nun schon seit fast zwei Jahren mit enormem Engagement gegen die Pandemie! Es wird Zeit, dass die Leistungen der MFA von der Gesellschaft endlich nicht nur anerkannt, sondern auch materiell wertgeschätzt werden. Wie die Pflegekräfte in den Krankenhäusern verdienen auch sie einen Corona-Bonus aus staatlichen Mitteln“, so Dr. Klaus Reinhardt, Vorsitzender des Hartmannbundes.

Seit dem Beginn der Impfkampagne sind in der Niederlassung allein mehr als 72 Millionen Impfdosen verabreicht worden. „Die medizinischen Fachangestellten sind Tag für Tag einer immensen Belastung in den Praxen ausgesetzt und ein Ende ist nicht in Sicht. Ohne ihren Einsatz wäre das hohe Impftempo undenkbar, die ambulante Versorgung könnte in dieser Qualität nicht aufrechterhalten werden“, betonte Reinhardt. „Wir hoffen, dass dieser Protest nicht auf taube Ohren stößt und den verdienten Erfolg hat“, so Reinhardt.

Auch der Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) bekundet uneingeschränkte Solidarität: „Die Leistungen der MFA in den Praxen kann man gar nicht genug betonen. Ohne das Praxispersonal wäre es nicht möglich, tagein, tagaus Millionen von Patientinnen und Patienten zu versorgen – und das mitten in einer Pandemie. Auch die Impfkampagne und die ambulante Behandlung von Covid-19-Fällen ruht auf ihren Schultern. Die MFA sind maßgeblicher Teil des Schutzwalls, der die Kliniken vor Überlastung schützt“, so Dr. Andreas Gassen, Dr. Stephan Hofmeister und Dr. Thomas Kriedel.

Umso enttäuschter zeigten sich die drei Vorstände über eine Absage aus dem BMG. „Es kann nicht sein, dass die Praxismitarbeiterinnen und -mitarbeiter für ihren unermüdlichen Einsatz in Corona-Zeiten nicht ansatzweise die Wertschätzung erfahren, die sie verdienen“, kritisierte Gassen die Entscheidung.

Hofmeister ergänzte: „Mit Blick auf andere Berufsgruppen wie Pflegekräfte in Krankenhäusern und Altersheimen ist es absolut unverständlich, warum das Praxispersonal nicht genauso gewürdigt wird. Die MFA stehen in den Praxen an vorderster Front – und sehen sich dort mitunter sogar Beschimpfungen und Bedrohungen ausgesetzt. Viele von ihnen arbeiten in der Pandemie am Limit. Deshalb fordern wir endlich eine entsprechende Anerkennung durch die Politik – insbesondere, aber nicht nur in finanzieller Hinsicht!“

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