Kammer verabschiedet Resolution gegen Biontech-Rationierung

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Berlin -

Die Apothekerkammer Rheinland-Pfalz wendet sich mit einer Resolution gegen die Entscheidung des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) zur Rationierung des Corona-Impfstoffs von Biontech. Die eingeführten Höchstbestellmengen würden unnötig den Erfolg der Impfkampagne gefährden.

Der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) steht weiter unter Beschuss, nun auch vonseiten der Apothekerschaft: Die Vertreterversammlung der Landesapothekerkammer Rheinland-Pfalz hat am Samstag eine Resolution verabschiedet, mit der sie Spahn auffordert, die die Einführung der Höchstbestellmengen des Biontech-Impfstoffs Comirnaty zurückzunehmen.

„Die besondere Kurzfristigkeit dieser Maßnahme sowie die zu befürchtende mangelnde Akzeptanz seitens der zu impfenden Menschen als auch der impfenden Ärzteschaft in Deutschland gefährden unnötig den Erfolg der Impfkampagne“, heißt es zur Begründung. Die Vertreterversammlung sehe dadurch die überaus notwendige Steigerung der Corona-Impfrate gefährdet.

Zuvor hatte das BMG angekündigt, Höchstbestellmengen einzuführen, damit eingelagerte Moderna-Dosen vor dem Verfall verimpft werden können. Dem BMG zufolge liegen in Deutschland derzeit 16 Millionen Dosen Moderna auf Lager, allerdings würden die Länder momentan zu 90 Prozent Biontech bestellen. Ab Mitte des ersten Quartals würden die Moderna-Dosen demnach verfallen. „Es muss unser gemeinsames Anliegen sein, dies mit allen Mitteln zu verhindern“, so das Ministerium in einem Schreiben an die Länder. Praxen und Impfzentren sollen deshalb zunächst nur noch bestimmte Mengen Biontech bestellen dürfen, damit Moderna „vermehrt zum Einsatz“ kommt. Es sei aber insgesamt „genug Impfstoff für alle da“.

Vertreter der Ärzteschaft und der Länder kritisieren den Schritt als falsches Signal: Es könne Verunsicherung verursachen, ausgerechnet beim in Deutschland besonders gut angenommenen Impfstoff von Biontech zu drosseln. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) befürchtet, dass es dadurch zu einer Verlangsamung des Impftempos kommen könnte. Spahn wiederum verteidigte die Entscheidung: Die Nachfrage sei wahnsinnig gestiegen in den vergangenen zwei Wochen, allein ab Montag würden sechs Millionen Biontech-Dosen ausgeliefert. Durch diese massive Nachfrage laufe „unser Biontech-Lager gerade leer“, so Spahn am Sonntagabend. „Und es ist einfach so, dass ich im Moment – also ab übernächster Woche, wenn jetzt die große Lieferung war – nicht mehr als zwei bis drei Millionen Impfdosen Biontech zur Verfügung habe.“ Er räumte ein: „Das hätten wir klarer noch kommunizieren müssen.“ Es gebe aber mit dem Impfstoff von Moderna eine gute, genauso wirksame Alternative. „Also, die entscheidende Botschaft ist: Impfstoff ist genug da“, unterstrich er.

Dass parallel gerade Impfstoff an Covax gespendet werde, habe man bereits im August entschieden, so Spahn. Er werde aber die für Dezember geplanten Spenden stoppen.

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