Bundestagswahl 2017

Gröhe will kein Apotheken-Minister sein Lothar Klein, 28.08.2017 10:46 Uhr

Berlin - Mit 28 Gesetzen und Verordnungen ist Hermann Gröhe (CDU) nicht nur einer der fleißigsten Gesundheitsminister aller Zeiten, sondern vermutlich auch einer der teuersten. Um rund 30 Milliarden Euro steigen während seiner Amtszeit die Ausgaben der Krankenkassen. Sechs Milliarden Euro bekamen die Ärzte, acht Milliarden Euro die Kliniken, viel Geld die Pflege und 100 Millionen die Apotheker. Das ficht Gröhe nicht an. Er würde gerne einen Platz am Kabinettstisch behalten, irgendwie, irgendwo.

125 zu 86: Gröhes Blutdruck ist okay, als er sich in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) als Versuchskaninchen auf seiner Sommerreise für einen Praxistest zur Verfügung stellt. Nur der Puls geht mit 99 Schlägen etwas schnell. Das ist dem Tempo seiner Reise geschuldet. Nach vier Jahren im Amt hat sich Gröhe als Gesundheitsminister zurechtgefunden. Er kann aus dem Stegreif über die meisten Sachfragen referieren, kennt sein politisches Terrain. Das könnte so bleiben. „Ich würde gerne als Gesundheitsminister weitermachen“, wiederholt der frühere CDU-Generalsekretär seine Ambitionen. Mit Kanzlerin Angela Merkel hat er schon darüber gesprochen.

Aber erst hat der Wähler das Wort. Und der Ausgang der Bundestagswahl könnte Gröhe in andere Ämter spülen: „Die große Koalition muss eine Ausnahme bleiben“, sagte Gröhe bereits als CDU-Wahlkampfmanager vor vier Jahren und denkt heute immer noch so. Also wird es eine Fortsetzung nur geben, wenn andere Konstellationen scheitern. Ein Bündnis mit der FDP steht bei der Union an erster Stelle. Reicht es dazu am 24. September nicht, wollen CDU und CSU noch einmal ein Jamaika-Bündnis mit FDP und Grünen ausloten. Vor vier Jahren sagten die Grünen Nein. Dieses Mal stehen die Vorzeichen anders.

In beiden Koalitionen werden sich die Gewichte und die Ämterverteilung verschieben. In der großen Koalition ist die Union für den wirtschaftlichen Sachverstand zuständig. In einem Bündnis mit der FDP oder einer Jamaika-Koalition fühlt sich die Union für die soziale Balance zuständig. Auf das wichtige Arbeits- und Sozialministerium hätte dann wohl Gröhe ein Auge geworfen.

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