Onkologie

Hecken: Neue Krebsarzneimittel schärfer prüfen dpa, 18.12.2017 09:55 Uhr

Berlin - Angesichts explodierender Kosten sollen neue Krebsmedikamente nach dem Willen des führenden Gremiums im Gesundheitswesen künftig schärfer überprüft werden. Die Mittel brächten den Patienten oft nur einige Monate mehr Lebenszeit, hätten aber oft starke Nebenwirkungen und seien extrem teuer, sagte der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses, Josef Hecken. Am Donnerstag will der Bundesausschuss etwa über ein solches Mittel mit Kosten von rund 750.000 Euro pro Patient und Jahr entscheiden. Es handelt sich um das Mittel Brineura.

Auch der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen forderte die Politik auf, Lücken bei der Bewertung des Mehrwerts der Mittel für die Patienten zu schließen. Vergangenes Jahr stiegen die Kosten der Kassen im Arzneibereich um mehr als 3 Prozent auf 38,5 Milliarden Euro. Im Bundesausschuss entscheiden die Spitzenorganisationen der Kassen, Ärzte und Kliniken über die medizinische Versorgung in Deutschland. Anhand wissenschaftlicher Studien bewertet das Gremium seit 2011, inwiefern neue Arzneimittel mehr nutzen als ältere. In seiner letzten Sitzung des Jahres an diesem Donnerstag fallen die nächsten Beschlüsse zu einzelnen Mittel. Die Bewertung ist Basis von Preisverhandlungen zwischen Kassen und Herstellern.

„Nach wie vor werden Onkologika überdurchschnittlich gut bewertet“, sagte Hecken. Nur jedem fünften der 88 insgesamt bewerteten Krebsmittel sei kein Zusatznutzen beschieden worden. „Aber: Die meisten dieser Therapien bringen den Patienten lediglich ein längeres Leben von im Schnitt drei bis sechs Monaten“, so Hecken. Mehr Lebensqualität gebe es selten. Viele Mittel kombinierten Chemotherapien - Nebenwirkungen stiegen so oft dramatisch an. Oft handele es sich um biologische Arzneimittel, die gezielt am Tumor ansetzen, aber extrem teuer seien. „Die Jahrestherapiekosten betragen zu Beginn im Schnitt 100.000 Euro mit steigender Tendenz, noch ausgeprägter ist die Kostensteigerung bei den jetzt häufigen Kombinationstherapien.“ So stiegen die Arzneikosten bei Hautkrebs mit Metastasen auf rund 200.000 Euro pro Patient und Jahr.

Johann-Magnus von Stackelberg, Vizechef des Kassen-Spitzenverbands, kritisierte zudem: „Insbesondere Arzneimittel gegen Krebs werden immer öfter ohne finale klinische Prüfungen zugelassen.“ Hersteller müssten eigentlich aussagekräftige Daten zum Nutzen-Risiko-Verhältnis nachliefern. „Die Praxiserfahrungen sind leider andere.

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