DAV-Portal: Ohne Techniker-Unterstützung keine Zertifikate

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Berlin - Bis Ende der Woche soll die Ausstellungsfunktion für digitale Impfzertifikate in die Telematikinfrastruktur (TI) migriert werden, kündigte das Bundesgesundheitsministerium (BMG) jüngst auf Nachfrage an. Nach Informationen von APOTHEKE ADHOC hat es auch Wort gehalten. Nur: Das nützt den Apotheken vorerst wenig. Denn wie mehrere Insider unabhängig voneinander berichten, müssen nun bei allen deutschen Apotheken Änderungen in den Netzwerkkonfigurationen vorgenommen werden, für die die jeweiligen Konnektorenanbieter verantwortlich sind. Bestenfalls dauert das einige Tage, schlimmstenfalls noch Wochen.

Die Zertifikatefunktion ist in der TI angekommen. Künftig wird das Portal zur Ausstellung digitaler Impfzertifikate nicht mehr über die URL www.mein-apothekenportal.de erreichbar sein, sondern über dav.impfnachweis.info. Auch das sogenannte TLS-Zertifikat hat die Seite bereits gestern, kurz nach der Migration, erhalten. Solche Zertifikate dienen der sicheren Datenübertragung im Internet und werden von allen gängigen Browsern vorausgesetzt – würde man die Seite ohne eines anwählen, würde der Browser warnen, dass das Zertifikat der Seite nicht gültig und die Seite deshalb unsicher sei. Das ist also nicht das Problem – das liegt ganz woanders.

Denn auch mit TLS-Zertifikat hätten die allermeisten Apotheken erst einmal nichts von der neuen Seite: Um sie über einen Browser anzuwählen, muss die richtige Route in den Konfigurationen angelegt werden, damit das System weiß, dass das Portal nicht im offenen Internet, sondern in der geschlossenen TI anzuwählen ist.

Das wiederum kann nicht zentral von Gematik oder DAV und erst recht nicht vom BMG vorgenommen werden. Stattdessen muss bei jeder Apotheke jeweils das Unternehmen die neue Route einrichten, das den Anschluss an die TI vorgenommen hat. Das sind in den meisten Fällen die großen Softwarehäuser wie Noventi, CGM, Pharmatechnik und ADG, aber auch der Anbieter Red Medical.

Und: Es ist alles andere als trivial. Nach Angaben von Beteiligten räumen die Softwarehäuser dem Vorhaben derzeit höchste Priorität ein – obwohl sie mit der technischen Vorbereitung für das Ausrollen des E-Rezepts gerade eigentlich schon alle Hände voll zu tun haben. Nun kommt also mitten in der Urlaubszeit unangekündigt diese Mammutaufgabe auf die Unternehmen zu. „Der einzelne Handgriff ist einfach, die Menge der Handgriffe ist das Problem“, sagt ein Vertreter eines Softwarehauses. Theoretisch ist pro Apotheke nur ein Aufwand von einigen Minuten notwendig, um die richtige Host-Route und das Kommando zur Erweiterung zu setzen. Doch auch die Techniker-Kapazitäten der großen Softwarehäuser sind angesichts von über 18.000 Apotheken begrenzt. „Ende der Woche ist illusorisch“, so die klare Ansage der EDV-Spezialisten.

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