Ärztekammer stoppt E-Rezept-Piloten

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APOTHEKE ADHOC Lunchtreff: eRezept - Im Dschungel der Pilotprojekte

Berlin - Die Ärztekammer Schleswig-Holstein (ÄKSH) hat das E-Rezept-Modellprojekt der Plattform eRixa zeitweise gestoppt. Der teilnehmenden Praxis wirft sie vor, gegen das Zuweisungsverbot verstoßen zu haben – eigentlich eine ureigene Domäne der Apothekerkammer. Doch die weiß davon gar nichts. Die ÄKSH verweist an das Ministerium – und dessen Darstellung legt nahe, dass sich eRixa-Betreiber Stefan Odenbach mit einer Anfrage nach Förderung selbst ein Bein gestellt hat.

In der Grundkonstellation sieht eigentlich jedes E-Rezept-Modellprojekt gleich aus: Eine oder mehrere Praxen sind mit einer oder mehreren Apotheken verbunden. Ein Modellprojekt mit 19.000 Apotheken gibt es nicht, eine Vorauswahl der teilnehmenden Apotheken ist also der Standard. Die Ärztekammer hat der Praxis von Dr. Jörg Sandmann in Travemünde nun aber genau das zur Last gelegt. „Wir haben ein Schreiben erhalten, in dem wir darauf aufmerksam gemacht wurden, dass es rechtswidrig sei, dass auf meiner Seite fünf Apotheken aufgeführt werden, an die das E-Rezept versendet werden kann“, erklärt Sandmann, der mit seiner Praxis an der Erprobung der Rezept-Plattform eRixa teilnimmt.

Hinter der Plattform steht Stefan Odenbach mit seinem Unternehmen PSO. Es bietet auf Patientenseite eine Smartphone-App für Android und iOS sowie ein Webportal im Browser. Bei Bedarf gibt es auch einen lokalen Client für Windows inklusive eines Outlook-Plugins. Welche E-Rezept-Anwendungen Apotheker und Ärzte benutzen, sei dabei unerheblich, da die Plattform den sicheren Austausch von E-Rezepten mit anderen Lösungen ermögliche, versichert Odenbach. Auf Praxis- und Apothekenseite sei ebenfalls lediglich die frei zugängliche App notwendig, um E-Rezepte zu versenden oder zu empfangen.

Der Name eRixa ist es auch, der bei Sandmann Fragen aufwirft. „Was mich stutzig gemacht hat: Wieso wird in dem Schreiben der Kammer eRixa namentlich erwähnt? Der Name steht nirgendwo auf unserer Seite! Es muss also jemand dahinterstehen, der weiß, um was für ein Projekt es sich handelt“, sagt er. „Ich habe dann die Ärztekammer angerufen und nach Ross und Reiter gefragt.“ Doch eine richtige Antwort habe er dort nicht bekommen – vielmehr sei ihm zwischen den Zeilen mitgeteilt worden, dass die Kammer auch nicht ganz begeistert sei von der Vorgehensweise. Vielmehr sei das alles auf Geheiß des Gesundheitsministeriums zustande gekommen. „Was wir zur Kenntnis kriegen, prüfen wir nur auf Rechtszulässigkeit, politisch setzen wir uns klar für die Digitalisierung ein“, sagt der Ärztliche Geschäftsführer der ÄKSH, Dr. Carsten Leffmann.

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