Gematik-Ausschreibung

E-Rezept: Zuschlag für Zur Rose?

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Berlin -

Lange forderte der Deutsche Apothekerverband (DAV) ein Monopol auf die E-Rezept-App, mit der ab kommendem Jahr alle deutschen Verordnungen versendet werden sollen. Im Bundesgesundheitsministerium (BMG) stieß er damit auf taube Ohren: Hausherr Jens Spahn (CDU) verkündete mit dem Patientendatenschutzgesetz (PDSG), dass die Gematik das Projekt in die eigenen Hände nehmen soll. Das tut sie jedoch nur bedingt: Zwar entwickelt sie das Frontend der App selbst, die dahinterstehende technische Infrastruktur sollen aber Unternehmen aus der freien Wirtschaft betreiben. Der E-Rezept-Fachdienst wurde ausgeschrieben – und dem Vernehmen nach ist die Zur-Rose-Tochter eHealth-Tec bereits in der engeren Auswahl.

Alle deutschen GKV-Rezepte könnten künftig indirekt durch die Hände des Versandhandelskonzerns Zur Rose gehen. Denn die Tochterfirma eHealth-Tec – bereits ins E-Rezept-Projekt der Techniker Krankenkasse (TK) involviert – ist dem Vernehmen nach eine von nur zwei Firmen, die sich bisher auf die Ausschreibung der Gematik für die „Bereitstellung von Entwicklungsleistungen, Rechenzentrum-Infrastruktur, System-Hardware und Software im Rahmen der Einführung des E-Rezepts“ beworben haben. Dem Vernehmen nach kam die Firma gemeinsam mit einem Partner in letzter Minute an Bord.

Das zweite Unternehmen ist demnach das Stuttgarter Abrechnungszentrum Optica. Die Tochtergesellschaft von Dr. Güldener – wiederum eine Tochter der Apobank – ist bereits gemeinsam mit dem Hessischen Apothekerverband (HAV), Noventi sowie den Krankenkassen AOK Hessen, TK und DAK am Projekt MORE beteiligt. Dabei können Patienten im Ärztlichen Bereitschaftsdienst eine Videosprechstunde buchen und sich im Anschluss ihre Medikation auf einem E-Rezept ausstellen lassen. Auch für die Plattform Apora soll Optica die E-Rezept-Technologie liefern. Auf Anfrage wollte sich das Unternehmen nicht zur Frage nach einer möglichen Bewerbung äußern.

Bei der Gematik scheint man sich von Anfang an bewusst gewesen zu sein, dass die Bewerber eine gewissen Erfahrung mitbringen müssen. Denn der Zeitplan ist sportlich: In weniger als einem Jahr muss das Projekt laufen. Der Ausschreibung zufolge sollte sich das Bewerberfeld daher auf mindestens drei und maximal fünf Anbieter beschränken.

Von den Firmen, die sich bewerben, erhält allerdings keine den Zuschlag für die komplette Ausschreibung, denn die ist aus Datenschutzgründen in zwei Lose geteilt: einerseits den E-Rezept-Fachdienst, andererseits den Verzeichnisdienst und den Identity Provider. Ersterer ist sozusagen das Herzstück des E-Rezept-Systems – der Speicher, auf dem alle E-Rezepte samt Versicherten- und Verordnungsdaten liegen, und von dem aus die Verordnungen an die Gematik-App sowie an die Apotheken- und Praxisverwaltungssysteme geschickt werden.

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