„Sifrol zerstört Familien”

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Heute nimmt ihr Mann nicht mehr Sifrol ein. Stattdessen kämen Ongentys (Opicapon, Bial-Portela & Ca) und Madopar (Levodopa/Benserazid, Roche) zum Einsatz. Auch nach 47 Jahren Ehe habe sie es nicht bereut, ihn bei seiner Therapie zu unterstützen, auch wenn sie selbst zwischenzeitlich psychologische Hilfe in Anspruch nehmen musste. „Ich habe ihm immer wieder verziehen und versuche, das letzte bisschen Familie zu retten”, so ihre Motivation. „Ich unterstütze ihn bis ans Ende der Tage. Ich kann nicht wegsehen.” Er sei aktuell ein Pflegefall und habe die Pflegestufe 4, außerdem Selbstmordabsichten und auch Halluzinationen. „Ich pflege ihn zu Hause, es ist ein 24-Stunden-Job. Die Schwestern können es nicht leisten.” Sie möchte aber nicht als Vorbild dienen: „Jeder Mensch ist anders und muss es für sich entscheiden.“ Sie habe für sich einen Weg gefunden, mit der Situation klar zu kommen; der Buddhismus sei ihre Rettung.

Rückblickend habe Pramipexol ihre Familienstrukturen zunichte gemacht: „Ihm ist nicht bewusst, was er über die Zeit angerichtet hat. Mein Sohn redet immer noch nicht mit ihr, meine Tochter inzwischen schon”. Über ihren Ehepartner sagt sie: „Markus war ein toller Mann und hatte eine tolle Persönlichkeit. Davon gibt es jetzt keine Spur. ,Ich war ein Anderer’”, zitiert sie ihn. Bei Details blockiere er ab und wälze das Ganze in eine andere Richtung. „Meiner Meinung nach will er das Ganze verdrängen.”

Aufgrund ihrer Betroffenheit beschäftigt sich Himmelsberger seit Jahren mit den Nebenwirkungen dieser Arzneimittel und hat deshalb einen Ordner angelegt. Sie sammelt und dokumentiert Zeitungsberichte, sowohl von der Fach- als auch Laienpresse, durchforstet Foren und tauscht sich mit anderen Betroffenen aus. Für sie relevante Textpassagen markiert sie in grün, pink oder rot – manchmal auch nur mit einem Kugelschreiber. „Dopaminagoisten stimulieren das Belohnungssystem im Gehirn in ähnlicher Weise wie Kokain” oder „Ich habe mich völlig verändert und meine Familie verlassen”, sind zwei solcher Beispiele. Zwischen den Zeilen zeichnet sich ab, dass die markierten Stellen viel mehr sind als nur Farbe auf weißem Grund. Die vielen großen Ausrufe- und Fragezeichen auf dem Papier sind Ausdruck des Leidensdrucks, den bislang niemand wirklich verstanden hat.

* Namen von der Redaktion geändert

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