Jour fixe macht Herstellern Druck | APOTHEKE ADHOC
Lieferengpässe

Jour fixe macht Herstellern Druck

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Berlin -

Um Lieferengpässe zu vermeiden, stimmen sich die Hersteller seit einigen Wochen ab. Über die Pharmaverbände wird beispielsweise die Produktion bestimmter Wirkstoffe koordiniert. Auch der Jour fixe beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) tagt häufiger als sonst. Bei einer Telefonkonferenz in der vergangenen Woche wurde festgestellt, dass vor allem in den besonders von Covid-19 betroffenen Regionen die Arzneimittelversorgung angespannt ist. Und es könnte bei Metformin eng werden.

Insbesondere die Versorgung in den besonders von Covid-19 betroffenen Regionen sei angespannt, heißt es im Protokoll zur Sitzung. „Vorrangiges Ziel ist es daher die ordnungsgemäße Versorgung der betroffenen Kliniken sicherzustellen, ohne hierdurch eine Unterversorgung an anderer Stelle, sei es im ambulanten Bereich oder in weniger betroffenen Regionen, herbeizuführen.“

Die von der „Task Force zur Sicherstellung der medikamentösen Versorgung in der Intensivmedizin“ erstellten Listen der Covid-19-relevanten Wirkstoffe sowie die täglich aktualisierten Daten aus dem Intensivregister der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) zur Belegung der Notfallbetten sollen dabei als Grundlage dienen, damit die Unternehmen den konkreten zusätzlichen Bedarf an Arzneimitteln abschätzen und die Kliniken bedarfsgerecht beliefern können. „Zu der Frage, wie dieser gedeckt werden kann, zum Beispiel durch zusätzliche Produktion, sind bereits weitere Gespräche initiiert worden.“

Bei der Belieferungen sollen bereits bestehende Vereinbarungen und Verpflichtungen erhalten bleiben: Bestandskunden sollen zuerst beliefert werden, danach Kliniken mit überdurchschnittlicher Auslastung der Intensivbetten (Hotspots) und nachweislich fehlendem Bestand. Hier sollen sich die Krankenhäuser auch gegenseitig kollegial unterstützen, zum Beispiel über ihre Einkaufsverbünde. Hier werden pragmatische und einheitliche Regelungen gewünscht, insbesondere der Verzicht auf eine Großhandelserlaubnis für die klinikübergreifende kollegiale Unterstützung: „Eine offizielle Äußerung des Bundes könnte die gegenseitige Unterstützung fördern.“

„Staatliches Einwirken“ will der Jour fixe verhindern. Seitens der Länder werde zwar eine noch stärkere Rolle des Bundes erwartet. Staatliche Eingriffe könnten aber nach Auffassung des Bundes nicht Mittel der ersten Wahl sein. Vielmehr sollen die Pharmaverbände prüfen, ob sie eine vermittelnde oder steuernde Rolle übernehmen können, wenn eine Direktversorgung durch die Hersteller nicht ausreicht. „Die ICU-Task Force würde monitorieren und bei Bedarf unterstützen. BfArM/BMG prüfen, mit welchem rechtlichen Status die Verbände diese Aufgabe übernehmen könnten.“

Der Jour fixe erwartet von den Unternehmen, dass „jetzt sehr schnell auf Basis der DIVI-Daten und der Wirkstofflisten eine bedarfsgerechte Belieferung der Kliniken erfolgen wird“. Der Erfolg werde in der wöchentlichen Sitzung der Task-Force erörtert. Das BfArM weist noch einmal darauf hin, dass bei der Ermittlung des Bedarfs explizit nicht die Vorjahreswerte heranzuziehen sind: „Gerade hierdurch sollte die Möglichkeit geschaffen werden, einem steigenden Bedarf durch eine erweiterte, aber gleichzeitig auch sachgerechte Bevorratung gerecht zu werden.“

Die Hersteller werden außerdem „nochmals ausdrücklich aufgefordert, relevante Lieferengpässe an das BfArM oder PEI zu melden“. Das BfArM prüft außerdem, ob gemäß Ausnahmeregelung für ausgewählte Wirkstoffe mit hoher Covid-19-Relevanz und bereits bestehenden relevanten Lieferengpässen von Herstellers und Großhändlern Daten zu Beständen, Produktion und Absatzmenge sowie zu drohenden Lieferengpässen angefordert werden sollten. Außerdem soll bei den Unternehmen abgefragt werden, welche nicht freigegebenen und zur Vernichtung anstehenden Arzneimittel ohne grundsätzliche Qualitätsmängel aktuell verfügbar sind.

Die Produktions- und Liefersituation in und aus Indien sei wegen Ausgangssperren und Exportproblemen weiterhin unklar, so der Jour fixe. „Der Bund bittet frühzeitig um Informationen, um gegebenenfalls positiv auf die Situation einwirken zu können.“

Entspannung gibt es bei Hydroxychloroquin: Die Empfehlung des BfArM, den Wirkstoff nur in der zugelassenen Indikation einzusetzen, zeige Wirkung: „Die Verordnungszahlen sind in den letzten Tagen wieder deutlich zurückgegangen. Ebenso haben sich die Werte bei Paracetamol wieder normalisiert.“

Im Fokus bestehender und sich abzeichnender relevanter Engpässe stehen dagegen weiterhin insbesondere Wirkstoffe, die in der intensivmedizinischen Versorgung benötigt werden. Allerdings seien auch Engpässe im ambulanten Bereich zu erwarten. Hier „ist die Versorgung unter anderem mit Metformin angespannt“.

 

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