Hilferuf: Gesundheitsminister schreibt an Hersteller

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Berlin -

Dass sich in der Corona-Krise die Lieferengpässe verstärken könnten, hatten Experten bereits frühzeitig erkannt. Doch während von offizieller Seite dazu bislang keine neuen Informationen gekommen sind, gibt es Hilferufe aus den Kliniken. In Baden-Württemberg hat der Gesundheitsminister die Hersteller um Unterstützung gebeten. Auf EU-Ebene soll in Kürze das Kartellrecht außer Kraft gesetzt werden.

Am 3. April schickte Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) einen Hilferuf an die Hersteller von Medikamenten für die Intensivmedizin: In den vergangenen Wochen sei der Bedarf an entsprechenden Arzneimitteln „drastisch gestiegen“. Besonders betroffen seien Südbaden und besonders Freiburg, wo zahlreiche Corona-Patienten – auch aus dem Ausland – behandelt werden. Hier arbeiteten die Kliniken nahe an der Kapazitätsgrenze, die Situation sei „besonders dramatisch“.

Laut Lucha gibt es bei einigen Wirkstoffen bereits erste Lieferengpässe:

  • Proprofol
  • Norepinephrin
  • Midazolam
  • Remifentanil
  • Sufentanil
  • Fentanyl
  • Morphin

Teilweise reichten die Bestände nur noch für wenige Tage; Lucha appellierte an die Hersteller, noch verfügbare Mengen in die Region zu liefern.

Ein ähnlicher Hilferuf kam nun von EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides. Insgesamt 47 in der Intensivmedizin benötigte Wirkstoffe drohten innerhalb weniger Tage knapp zu werden, schrieb sie an die europäischen Pharmaverbände.

Tatsächlich könnte nun auf europäischer Ebene eine Regelung geschaffen werden, die den Herstellern erlaubt, ihre Produktion miteinander abzustimmen. Normalerweise sind solche Absprachen kartellrechtlich verboten, doch diese Vorgaben sollen nun vorübergehend gelockert werden. Noch heute könnte eine entsprechende Ankündigung gemacht werden.

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