Adrenalin-Notfallpens

Emerade ist zurück: Aktivierungsfehler behoben APOTHEKE ADHOC, 20.10.2020 09:44 Uhr

Berlin - Apotheken und Verwender des Emerade-Notfallpens (Epinephrin, Bausch + Lomb) können aufatmen: Der seit Ende 2019 bestehende Rote-Hand-Brief wird ab dem 1. November obsolet – bestehende Probleme bei der Aktivierung wurden behoben. Der Adrenalin-Pen soll ab sofort wieder lieferfähig sein.

Der Engpass beim Notfallmedikament Emerade war Anfang des Jahres deutlich zu spüren: Bis zu 90.000 Patienten könnten von defekten Injektoren betroffen gewesen sein. Der Hersteller informierte bereits Ende 2019 über eine fehlerhafte Komponente im Emerade-Fertigpen zur Notfallbehandlung bei Anaphylaxie. Die Auftrittswahrscheinlichkeit des Fehlers war höher als anfänglich vermutet. In der Konsequenz wurden alle Chargen mit einem Verfallsdatum bis einschließlich 10/2020 auf Distributions- und Patientenebene zurückgerufen.

Unsicherheit, Ersatzrezepte und Zuzahlung

Für die Patienten bedeutete dies ein hohes Maß an Unsicherheit. Denn ein Nicht-Auslösen bedeutet unter Umständen schwere gesundheitliche Konsequenzen. Für einen neuen Pen war ein Ersatzrezept erforderlich: Anfänglich gab es auch hier keine klare Lösung, woraufhin eine Übergangsregelung geschaffen wurde – schließlich sollten die Patienten keine Zuzahlung für ihren Notfall-Ersatz leisten müssen.

Anfänglich ging der Hersteller von einem Zusammenhang zwischen Aktivierungsfehler und Temperatur aus – später wurde ein Bauteil im Pen selbst als Fehlerquelle bestätigt. Im Februar erklärte der Hersteller, dass der Aufbau des Injektors angepasst und optimiert werde. Nun gab er bekannt, dass im Rahmen einer Fertigungsumstellung die Ursache des Aktivierungsfehlers behoben werden konnte. Beide Dosisstärken – 300 und 500 Mikrogamm – seien ab sofort wieder lieferfähig. Die Warnung vor zu hohen Lagertemperaturen und der Rote-Hand-Brief seien somit obsolet. Die neu hergestellten Fertigpen-Chargen seien sorgfältig geprüft und die Auslieferung mit den relevanten Behörden abgestimmt worden. „Überdies wurden die Produktionskapazitäten deutlich erhöht, um den Marktbedarf besser abdecken zu können.“

Bausch + Lomb gibt dennoch einige Hinweise für die Handhabung der Adrenalin-Autoinjektoren:

  • Aufbewahrung bis maximal 25°C: Gilt grundsätzlich und herstellerunabhängig
  • Stets zwei Fertigpens mit sich führen: Falls bei einem anaphylaktischen Schock die Wirkstoffmenge eines Pens nicht ausreicht, wird nach 5 bis 10 Minuten eine wiederholte Injektion durch die deutsche Anaphylaxie-Leitlinie empfohlen
  • Verfallsdatum beachten: Alle Adrenalin-Autoinjektoren sind nur zeitlich begrenzt einsetzbar – Neuverordnung ist vor Ablauf des Verfallsdatums erforderlich

Bleiben Sie auf dem aktuellsten Stand und abonnieren Sie den Newsletter von APOTHEKE ADHOC.

APOTHEKE ADHOC Debatte

Neuere Artikel zum Thema

Weiteres
Coronavirus

Moderna will erster sein

EU-Zulassungsantrag für Corona-Impfstoff noch heute»

Mundschutz auf Rezept

Apotheken: Bund soll FFP2-Masken liefern»

Interessenkonflikt?

RKI: Abteilungsleiter an Test-Firma beteiligt»
Markt

Erst Expresslieferung, dann Amazon?

Apo-Discounter: „Nur die Hälfte der Apotheken wird überleben“»

Pandemie drückt aufs Auslandsgeschäft

PharmaSGP: Zweite Welle vermiest das Jahr»

Baby-Boom durch Corona?

Nachfrage nach Schwangerschaftsvitaminen steigt»
Politik

Wie weit geht die Meinungsfreiheit?

Vorwurf Nazi-Propaganda: Kammer ermittelt gegen Apotheke»

Rheinland-Pfalz

Aufruf für Impfzentren: Kammer sucht PTA und Apotheker»

Sinkende Apothekenzahlen

Overwiening: Nur Wertschätzung rettet keine Apotheke»
Internationales

Sputnik-V

Putin bietet russischen Corona-Impfstoff an»

Mit PCR-Tests

Schweiz: Apotheken füttern Corona-Warnapp»

Ebola-Medikament überzeugt nicht

Corona: WHO rät von Remdesivir ab»
Pharmazie

Chargenüberprüfung

Riboirino: Weiße Verunreinigung am Flaschenhals»

Einstellung der Spritze beachten

Dosierungsfehler bei Eyela Fertigspritze »

Antikörper als Therapiedurchbruch

Blinatumomab: Ohne Chemo gegen Leukämie»
Panorama

Nachtdienstgedanken

Der alljährliche Kalenderwahn – oder nicht?»

Rote Helferlein für den Ernstfall

Zugspitz-Apotheke verschenkt Notfalldosen»

Gestohlene Blanko-Rezepte

Berlin: Razzia gegen Rezeptfälscher»
Apothekenpraxis

Masken-Verordnung

Spahn: FFP2-Ausgabe verzögert sich»

Arbeitsrecht

Keine Corona-Impfung, kein Handverkauf?»

Kunden gehen wegen Rabatt-Arzneimittel zur Polizei

Karlsruhe: Rauferei wegen Rabattvertrag»
PTA Live

Verkauf an Laien

Schnelltest von der Tankstelle »

Corona-Massenimpfung

Einsatz in Impfzentren: PTA wären dabei»

Rekonstitution in Impfzentren

Schleswig-Holstein: PTA sollen Corona-Impfungen zubereiten»
Erkältungs-Tipps

Yoga, Meditation & Co.

Wie Entspannung das Immunsystem stärkt»

Wenn der Husten länger dauert

Chronische Bronchitis: Wie Phytotherapie helfen kann»

Tipps und Tricks für die lieben Kleinen

Das Kind ist krank – was tun?»
Magen-Darm & Co.

Gefahren der Pilzsaison

Achtung Pilzvergiftung: Fliegenpilz & Co.»

Fremdkörpergefühl im Hals

Globussyndrom: Auch an den Magen denken»

Trendprodukt Selbsttests

Was können Darmflora-Analysen & Co.?»
Kinderwunsch, Schwangerschaft & Stillzeit

Für Verhütung oder Kinderwunsch

Fruchtbare Tage bestimmen – aber wie?»

Von Milchbildung bis Abstillen

Milchfluss: Grundlage für die Stillzeit»

Supplemente in der Schwangerschaft

Folsäure & Jod: Nur die Hälfte ist versorgt»
Medizinisches Cannabis

Identitätsprüfung – What’s next?

Tilray: Neueinführungen für eine erleichterte Herstellung»

Höchstmengen, Herstellung, Dokumentation

Cannabis: Das Wichtigste aus den Gesetzen»

Sonder-PZN, Lieferengpässe & Co.

Retaxgefahr Cannabis»
HAUTsache gesund und schön

Gel, Mousse, Lotion oder Tonic?

Die richtige Reinigung ist das A und O der Hautpflege»

Mimikfalten, Krähenfüße & Co.

Hautalterung: Wenn Kollagen und Elastin schwinden»

Mehr als dunkle Flecken

Pigmentstörung: Nicht nur ein Problem des Alters»