Zweifel am Transgender-Experiment | APOTHEKE ADHOC
Terre des Femmes

Zweifel am Transgender-Experiment

, Uhr
Berlin -

Am Sonntag war der Equal Pay Day. Schon Ende Februar hat die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes eine Kampagne gestartet, die auf die Unterschiede in der Bezahlung von Frauen und Männern aufmerksam machen wollte. Den Anfang der Kampagne machte ein ungewöhnliches Experiment. Doch im Anschluss gab es Vorwürfe, dass die ausführende Werbeagentur mit fragwürdigen Methoden das vermeintlich gewünschte Ergebnis herbeigeführt hat. Es gibt zwar ein Dementi, Beweise werden auf Nachfrage aber nicht geliefert.

Drei Transgender-Personen hatten sich im Rahmen des Experiments mit derselben Qualifikation für denselben Job in den Berufsfeldern Job Projektmanagement/-assistenz, PTA und Modemanagement beworben – jeweils einmal als Frau, einmal als Mann. Das Ergebnis: In jedem Fall soll der sich als Frau bewerbenden Person weniger Gehalt geboten worden sein, zum Teil deutlich weniger. Mit diesem Experiment wollte Terre des Femmes darauf aufmerksam machen, dass Frauen für die gleiche Arbeit häufig weniger Lohn bekommen als ihre männlichen Kollegen.

Doch nach der Veröffentlichung der Ergebnisse und eines dazugehörigen Videos, hagelte es Kritik. Sowohl auf der Facebook-Seite der Frauenrechtsorganisation als auch in einem Video des Youtube-Kanals Idiotenwatch wurde darauf aufmerksam gemacht, dass die im Kampagnen-Clip eingeblendeten Lebensläufe unterschiedlich seien. Zuvor behauptete Terre des Femmes aber genau das: Alle beteiligten Transgender hätten sich jeweils mit gleichen Lebensläufen und Qualifikationen um eine Stelle beworben.

In der Tat werden im Video zwei Lebensläufe präsentiert: von Oliver und Olivia, die sich beide um Stellen im Projektmanagement beworben haben sollen. Doch während der eingeblendete Lebenslauf von Oliver zeigt, dass er aktuell Personalverantwortung für 60 Mitarbeiter trägt und über ein Etat von 50 Millionen Euro bestimmt, arbeitet sein Pendant Olivia laut ihrem Lebenslauf lediglich im Kundenservice ohne Personalverantwortung.

Der Verdacht der Kritiker: Die ausführende Werbeagentur, Jung von Matt, habe die Lebensläufe mit Absicht so gestaltet, dass Olivia weniger Gehalt angeboten wird. Das wäre schlicht ihrer geringeren Qualifikation geschuldet. Auf eine Nachfrage von APOTHEKE ADHOC teilte die Frauenrechtsorganisation, dass im Rahmen des Experiments hunderte Bewerbungen für verschiedene Stellenausschreibungen versendet wurden, darunter im Berufsfeld Projektmanagement und -assistenz.

Terre des Femmes bestreitet auch gar nicht, dass die im Video gezeigten Lebensläufe unterschiedliche sein. Die Lebensläufe und sie begleitende Dokumente seien jedoch für Stellen unterschiedlichen Anspruchs verfasst, versicherte Christa Stolle, Bundesgeschäftsführerin der Frauenrechtsorganisation: „Somit können wir die Irritation basierend auf der Darstellung im Video verstehen, aber nicht bestätigen.“ Denn für die Bewerbung auf ein und denselben Job seien gleichwertige Lebensläufe entwickelt worden. Die Antwort auf die Frage, warum man im Video eben diesen Umstand nicht veranschaulichte und sich stattdessen entschied, unterschiedliche Lebensläufe zu zeigen, blieb sie schuldig. Auch wollte die Organisation die beiden tatsächlich verwendeten Lebensläufe der PTA-Bewerbung auf Nachfrage nicht herausgeben.

Terre des Femmes hält jedenfalls an dem Ergebnis des Experiments fest: Männer und Frauen werden für den gleichen Job unterschiedlich bezahlt. Bis zu 33 Prozent weniger hätten die Frauen im Rahmen des Experiments für die gleiche Arbeit bekommen. Damit lege es die bereits bekannte und bestehende Problematik des Gender Pay Gap und zeige auf, dass die Ungleichbehandlung bereits im Bewerbungsgespräch ihren Ursprung findet.

Die Debatte um gerechte Bezahlung von Frauen hat Anfang des Jahres neuen Schwung bekommen. Seit Januar haben Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer das Recht zu erfahren, wie viel Kollegen des anderen Geschlechts verdienen, die beim gleichen Arbeitgeber vergleichbare Tätigkeiten ausführen. Dieses Auskunftsrecht soll laut Bundesregierung dabei helfen, die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen zu schließen. Statistiker beziffern den sogenannten Gender Pay Gap, die Lohnkluft zwischen Frauen und Männern, auf 21 Prozent.

Eine Zahl, die allerdings durchaus umstritten ist. Sie beschreibt den prozentualen Unterschied zwischen dem durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von angestellten Männern und Frauen. Sie wird vom Statistischen Bundesamt auf der Basis von 1,9 Millionen sozialversicherten Beschäftigten aus allen Branchen und Berufen errechnet und ist in der Europäischen Union einheitlich geregelt. Der Umfang der Beschäftigung, die Verteilung auf unterschiedliche Branchen und Berufsgruppen bleibt dabei ebenso unberücksichtigt wie Ausbildung, Berufserfahrung oder Position.

Werden Frauen und Männer mit vergleichbarer Qualifikation und Tätigkeit verglichen, ist der Lohnunterschied erheblich kleiner. Dieser bereinigte Gender-Pay-Gap wird allerdings nur alle vier Jahre erhoben. Im Jahr 2014 lag diese Lücke bei 6 Prozent.

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