Erste Woche impfen

„Wir impfen dann, wenn die Ärzte zu haben“

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Berlin -

Für Katharina Schrader, Inhaberin der Adler Apotheke in Berlin, war die erste Impf-Woche eine ganz besondere. Endlich konnte sie mit den Corona-Schutzimpfungen starten. Um nicht in Konkurrenz mit den Ärzt:innen zu treten, hat sie sich dazu entschlossen nur dann zu impfen, wenn die Praxen geschlossen haben – unter anderem samstags.

Auch Katharina Schrader hat als Inhaberin länger überlegt, wann sie ihren Kund:innen Corona-Impfungen anbieten möchte. Ob sie überhaupt an den Immunisierungen teilnehmen will, stand für sie außer Frage. Als klar war, dass Apotheken diese Dienstleistung anbieten dürfen, meldete sie sich prompt zur Schulung an. „Von den Räumlichkeiten her hatten wir auch keine großen Schwierigkeiten. Unser ehemaliges Kosmetikstudio, welches zuletzt als Schulungsraum benutzt wurde, konnte kurzerhand umgebaut werden,“ berichtet die Apothekerin. Sie musste den Betrieb als Kosmetikstudio damals aufgrund von Zugangsvoraussetzungen einstellen – es konnte kein zusätzlicher Eingang direkt zur Straße eingebaut werden. Doch eine gute Verwendung hatte die zusätzliche Räumlichkeit immer, wie Schrader berichtet.

Impfen, wenn die Praxis geschlossen ist

„Ansonsten war die größte Herausforderung wohl die personelle Situation. Der Apotheker, der impft, fehlt eben vorne im HV. Bislang habe ich alle geforderten Module absolviert. Eine Kollegin besucht jetzt noch das Praxisseminar und dann wären wir zu zweit.“ Schrader bekommt den Personalmangel in Berlin seit längerem zu spüren. Gerade PTA zu finden sei in der Hauptstadt schwer. Viele wanderten in andere Bereiche ab. Dennoch wollte sie ihren Kund:innen Impfungen anbieten und entschied sich zunächst dazu mit zwei Tagen zu beginnen. Dabei möchte Schrader die Ärzt:innen im direkten Umfeld unterstützen: „Natürlich wollen wir nicht in Konkurrenz zu den Ärzten stehen und ein ergänzendes Angebot liefern. Hier in Pankow hat beispielsweise ab Mittwochnachmittag keine Arztpraxis mehr auf. Das merken wir auch im Handverkauf. Dementsprechend bieten wir dort bis 19 Uhr Impfungen an. Kommende Woche kommen beispielsweise ein paar Mitarbeiter eines ambulanten Pflegedienstes nach Feierabend vorbei. Und wir impfen samstags – hier können alle diejenigen das Angebot annehmen, die es in der Woche nicht schaffen oder die kein Frei für den Zeitraum der Impfung bekommen.“

Schrader war gespannt, wie das Angebot von der Kundschaft angenommen wird. Viele Stammkund:innen seien schon durchgeimpft – einige von ihnen hätten sogar bereits die vierte Impfung erhalten. Der tatsächliche Bedarf sei kaum abzuschätzen. „Für den Impfstart habe ich nur zwei Vials Moderna bestellt. Leider ist ein Nachbestellen ja nicht möglich. Gleichzeitig wusste ich ja zu Beginn gar nicht, wer oder ob überhaupt jemand kommt. Ich denke es wurde etwas zu lange gewartet mit Impfungen in den Apotheken. Hätten wir bereits im Dezember angefangen, dann hätten wir einen größeren Beitrag zur Impfquote – vor allem im Bereich der Booster-Impfungen – leisten können.“

Änderungen in der Grundausbildung

Schrader ist Rettungsschwimmerin und kennt sich gut mit dem Thema Erste Hilfe aus. Sollte in ihrer Apotheke ein Notfall auftreten, dann wüsste die Inhaberin direkt, was zu tun ist. Ihr Wissen und das schnelle Abrufen resultiere jedoch auch daraus, dass sie regelmäßig mit dem Thema in Kontakt stehe. Im Rahmen der Impffortbildungen zeichne sich eher ein durchwachsendes Bild ab: „Ob Apotheken dauerhaft Impfungen anbieten sollten, weiß ich noch nicht ganz genau. Generell ist der leichte Zugang für den Kunden toll, darüber hinaus genießen wir ein großes Vertrauen in der Bevölkerung. Um Impfungen dann aber auch flächendeckend fachkompetent anbieten zu können, sollte sich in der Grundausbildung etwas ändern. Ich kann durch meine Berufserfahrung gut mit Spritzen umgehen. Zudem bin ich Rettungsschwimmerin und kenne mich mit Erster Hilfe gut aus. Das trifft nicht auf alle Kollegen zu. In den Seminaren zeigte sich, dass nur regelmäßige Schulungen dazu führen, dass im Ernstfall auch richtig gehandelt werden kann.“

Damit sowohl die Laufkundschaft als auch die Kund:innen in der Offizin über das Angebot informiert werden, hat Schrader das Schaufenster und die Sichtwahl umgestaltet. „Durch unsere digitale Sichtwahl können wir die Kunden auf das Angebot aufmerksam machen. Die ersten Termine habe ich vereinbart. Darunter auch eine Person, die zur Grundimmunisierung kommt. Da freut man sich dann nochmal anders.“ Am Ende freue sie sich aber über jeden, der sich für die Immunisierung entscheidet – egal, ob Grundimmunisierung, Optimierung der Grundimmunisierung oder Booster-Impfung.

An den Bürgertestungen nimmt die Adler Apotheke derweil nicht mehr teil. In unmittelbarer Umgebung seien zwei Testmöglichkeiten vorhanden, so Schrader. Das Angebot konnte sie personell nicht mehr vereinbaren. Anders als bei den Impfungen wurde jeden Tag während der gesamten Öffnungszeit getestet. Hierfür hätte dauerhaft eine Person abgestellt werden müssen. Nachdem in Pankow ausreichend Teststellen auch außerhalb der Apotheken aufgebaut wurden entschied sich die Apothekerin dazu die eigenen Schnelltestungen einzustellen.

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