Warum nicht HIV ins Schaufenster?

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Berlin - Heike Belgert vom Berliner Art Window Werbeatelier macht Apotheken-Schaufenster, bei denen Passanten erfreut stehen bleiben. Die Dekoration ist kreativ und informativ – wie bei der neuen Pop-Art-Variante der BerlinApotheke Friedrichshain. Es geht um HIV, ein Thema, das längst noch nicht abgehakt ist.

„Heike Belgert ist schon lange für unsere Schaufenster zuständig, sie macht immer tolle Sachen“, lobt Apotheker Nico Reinold. „Wir brauchen das auch: Ein Schaufenster, das uns abhebt von all den Döner-, Umtausch- und Schnäppchen-Butzen hier in der Gegend“, sagt er lächelnd. „Wir legen Wert auf schöne Schaufenster, sind ganz vom Waren-Schaufenster weg und setzen stattdessen auf Info-Schaufenster.“

„Wir sind eine HIV-Schwerpunktapotheke“, erklärt Reinold. Allein in Berlin infizieren sich jedes Jahr fast 400 Menschen mit dem HI-Virus. Jeder Sechste, der von seiner Erkrankung erfährt, ist über 50 Jahre alt. „Wir haben vier HIV-Patientinnen, die über 60 Jahre alt sind“, erzählt Reinold. Bei der Diagnose, die oft im Rahmen von OP-Vorbereitungen gestellt wird, seien sie völlig geschockt gewesen.

Dann aber hätten sie sich mit der schlechten Nachricht und dem Umstand, dass man die Krankheit mit den richtigen Medikamenten gut in Schach halten kann, arrangiert. „Eine hat gesagt, na gut, dann habe ich neben Osteoporose eben auch noch HIV“, sagt Reinold. Ein wenig Humor hilft in schlimmen Lebenssituationen bekanntlich immer. „Es ist längst nicht mehr so, dass HIV immer nur die anderen, die Spritzer, Transsexuellen und Homosexuellen haben. Die Angst der 80er-Jahre, in denen Aids oft tatsächlich ein Todesurteil war, ist verschwunden. So lange bei den älteren Patientinnen keine schweren Grunderkrankungen dazukommen, ist es kein Problem.“ Seit 1996 ist die Apotheke eine HIV-Schwerpunktapotheke, sie war eine der ersten in Berlin.

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