Apotheker wirbt für Medikationsplan

Medizinstudenten in der Offizin

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Berlin -

Gerade bei der Medikation älterer Patienten ist eine gute Absprache zwischen Arzt und Apotheker wichtig. In der Realität treten hier jedoch oft Probleme auf. Dr. Lars Alexander Mohrenweiser, Vizepräsident der Apothekerkammer Sachsen-Anhalt, möchte dies ändern. Deswegen organisiert der Pharmazeut bis Mitte Dezember elf Besuche von jeweils zwei Medizinstudenten in drei Magdeburger Apotheken.

Die Studierenden beschäftigen sich im neunten Semester im Querschnittsbereich „Medizin des Alterns und des alten Menschen“ mit der Problematik Polypharmazie. Das Institut für Allgemeinmedizin der Magdeburger Universität koordiniert im Rahmen dessen die Vor-Ort-Besuche der Studenten mit verschiedenen Trägern der ambulanten Versorgung, so eben auch der Apothekerkammer Sachsen-Anhalt.

Den Anfang machten die Medizinstudenten Veronika Vasilevska und Fabian Roßneck, die am vergangenen Dienstag in Mohrenweisers Sonnen-Apotheke vorbeischauten. Der Kammer-Vizepräsident machte deutlich, wie wichtig die Kommunikation mit älteren Patienten in der Apotheke ist. Nur so könnten Verwechslungen vermieden sowie Wechsel- und Nebenwirkungen erkannt werden.

„Gerade ständig wechselnde Rabattvertragspartner, aktuelle Lieferengpässe und sich eventuell daraus ergebene Umstellungen in der Medikation stellen den älteren Patienten vor große Probleme“, fasste Mohrenweiser auf dem Seminar für die Medizinstudenten zusammen. Dadurch hätten menschliche Faktoren in der Dreiecksbeziehung Patient-Arzt-Apotheke eine besondere Bedeutung.

„Wünschenswert wäre es, wenn die behandelnden Ärzte die verordneten Arzneimittel in den Medikationsplan des Patienten eintragen. Leider haben nur wenige Kunden, die zu uns kommen, einen aktuellen Medikationsplan“, führte Mohrenweiser aus. Außerdem kauften viele Patienten rezeptfreie Medikamente, welche die Dauermedikation beeinflussen könnten. Sinnvoll wären daher Kundenkarten, auf denen die verordneten und gekauften Arzneimittel gespeichert sind.

„Denn nur mit einem aktuellen Medikationsplan beziehungsweise einer Kundenkarte kann der Apotheker den Patienten bei der Abgabe eines verordneten Präparates richtig beraten, und das zur Medikation passende freiverkäufliche Arzneimittel finden“, so Mohrenweiser. Die beiden am Seminar teilnehmenden Medizinstudenten zeigten sich überrascht, wie oft Apotheker aufgrund von fehlerhaften Angaben auf Rezepten Rücksprache mit Ärzten halten müssen.

„Es war gut, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Wir können aus diesem Besuch viele Eindrücke mitnehmen und an unsere Kommilitonen weitergeben“, zieht Vasilevska ein positives Fazit aus dem Besuch in der Sonnen-Apotheke. Und Roßnick ergänzt: „Ein Arzt sollte bei Medikamenten immer über sein Fachgebiet hinausschauen. Das habe ich hier in der Apotheke eindrucksvoll erfahren.“ Mohrenweiser sieht zudem weitere Möglichkeiten im Zusammenspiel zwischen Medizinern und Pharmazeuten: „Apotheker auf Station können im Krankenhausalltag viel leisten und die Ärzte bei Entscheidungen zum Arzneimitteleinsatz unterstützen.“

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