Impfzertifikate: Portal verschenkt tausende Euro

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Berlin -

Der Start des Ausstellens der Impfzertifikate lief vielerorts holprig. Sowohl bei der Dateneingabe als auch beim Erstellen der PDF-Dateien gab es Fehlermeldungen. Die seit gestern mögliche Abrechnung funktioniert vielerorts reibungslos. Doch der Zähler stimmt nicht überall: In mindestens zwei Apotheken wurden über das Apothekenportal deutlich mehr Zertifikate gelistet, als tatsächlich ausgestellt wurden.

Seit gestern können Apotheken – fast pünktlich zum Monatsanfang – die bislang ausgestellten digitalen Impfzertifikate abrechnen. Das Apothekenportal des Deutschen Apothekenverbands (DAV) wurde um die entsprechende Funktion aktualisiert. Bei manchen Betrieben dauerte es mehrere Stunden, bis die Datei mit der Auflistung der Zertifikate nach I und II fertig gestellt war. In anderen ging es schneller.

Ein Inhaber wunderte sich nach der Fertigstellung seiner Juni-Abrechnung über die hohe Summe aus Erstimpfung und Re-Zertifizierung sowie Zweitimpfung. „Die Beträge waren deutlich zu hoch“, sagt er. Dies gelte für seine Haupt- und Filialapotheke. Der Apotheker und sein Team führten eine eigene Liste über die erstellten Zertifikate, da er bereits befürchtete, dass es zu Problemen kommen könnte. „Wir haben dem DAV-Portal nicht vertraut.“

Der internen Liste zufolge müsste er für beide Apotheken rund 2500 Euro weniger abrechnen, als das Portal ihm angekündigt hatte. „Das ist doch ein Unding, vor allem, nachdem uns gesagt worden war, dass wir rechtlich keine eigene Dokumentation machen dürfen“, sagt er. „Wie soll ich jetzt abrechnen? Den höheren Betrag oder nach meiner Liste?“ Letztlich gab der Apotheker auf den Sonderbelegen die Summe an, die nach der eigenen Dokumentation ermittelt wurde.

Der Inhaber kann sich die Differenz nicht erklären. „Gerade in den ersten Tagen hat der Zähler viel zu viel Erstimpfungen gezählt“, sagt er. In der einen Apotheke stehen den 599 im DAV-Portal erfassten Erstimpfungen laut der internen Dokumentation nur 543 tatsächlich ausgestellte Zertifikate gegenüber. Gleichzeitig zählte das Portal aber nur 447 Zweitimpfungen, während dem Apotheker zufolge tatsächlich 510 durchgeführt wurden. Dazu kommen die Rezertifizierungen. Dabei sei allein in einem Betrieb eine Differenz aus rund 14.100 und etwa 12.500 Euro entstanden. „Wenn man diesen Betrag jetzt auf alle teilnehmenden Apotheken hochrechnet, geht es in die Millionen. Das ist doch ein Unding.“

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