Flüchtlingsapotheker

Apothekenpraktikant aus dem Südsudan Torsten Bless, 23.09.2017 09:01 Uhr

Berlin - Doppelte Odyssee: Erst floh er aus dem Südsudan über Kairo nach Prag, wenige Jahre nach seiner Rückkehr verschlug es ihn über Kampala ins hessische Idstein. Kong James Gatluak hofft, in der Christophorus-Apotheke die Basis für eine Zukunft als Pharmazeut zu schaffen.

Aus seinem Land fliehen zu müssen, war für Kong James Gatluak keine neue Erfahrung. Von 1983 an kämpfte der Südsudan um eine weitgehende Autonomie vom Sudan. Gatluak ging nach Kairo und erhielt von der tschechischen Regierung ein Stipendium für das Pharmaziestudium an der Karls-Universität Prag. „Als 2005 ein Friedensvertrag ausgehandelt wurde, ging ich zurück“, erzählt er. „Vielleicht kehrt jetzt Ruhe ein, dachte ich mir, vielleicht braucht mein Volk meine Hilfe.“

Im Jahr 2011 machte eine Volksabstimmung den Südsudan zum jüngsten unabhängigen Staat auf dem afrikanischen Kontinent. Doch schon zwei Jahre später brach erneut ein Bürgerkrieg aus. „Es begann als politischer Konflikt zwischen Präsident Salva Kiir Mayardit und seinem Stellvertreter Riek Machar“, erläutert Gatluak. „Der Vizepräsident wollte politische Reformen einleiten, die Korruption und soziale Ungerechtigkeit im Land bekämpfen.“ Dagegen habe sich der Präsident gesträubt und einen Militärputsch inszeniert. „Der Vize musste das Land verlassen.“ Aus dem politischen Streit erwuchs ein Bürgerkrieg. Die Dinka, dem der Staatschef angehörte, kämpften gegen die Nuer, zu denen sein geflohener Stellvertreter zählte.

Auch Gatluak ist Nuer. Seine Apotheke in der Hauptstadt Juba wurde bei Ausschreitungen zerstört. Er ließ sich nicht entmutigen und eröffnete gemeinsam mit einem Partner einen Großhandel. „Wir importierten pharmazeutische Bedarfsgüter aus Uganda, Kenia und Äthiopien und verkauften sie weiter an kleine Apotheken überall im Land.“

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