Zwangspause

Minijobber statt Apotheker

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Berlin -

Weil dem afghanischen Pharmazeuten Bahir Barna offenbar ein Dokument fehlte, entzog ihm die Bezirksregierung Düsseldorf im Juni 2017 kurzerhand die Praktikumserlaubnis. Seit einem Jahr kämpft Barna nun dafür, seine Gleichwertigkeitsprüfung absolvieren zu dürfen. Bisher vergeblich. Nun hat er Klage eingereicht.

Die Unterstützung der Facebook-Gemeinde war überwältigend. Mit einem Post, in dem der Inhaber der Bären-Apotheke in Erkrath, Wolfgang Wittig, vor einem Jahr von dem Fall erzählte, löste er eine Kommentarflut aus: In kurzer Zeit wurde es über 42.000 Mal geteilt und mehr als 3000 Mal kommentiert.

Und die Anteilnahme an dem Schicksal des Afghanen ist nach wie vor groß. Zuletzt bekam die Bären-Apotheke so viele Anfragen, was aus dem Mitarbeiter geworden ist, dass Wittig sich zu einem weiteren Facebook-Post entschloss. Doch gute Nachrichten klingen anders. Denn ein ganzes Jahr später kämpft Barna immer noch dafür, die Prüfung zur Anerkennung seiner ausländischen Approbation als Apotheker ablegen zu dürfen. Bisher ohne Erfolg. Nun hat Barna offenbar die Hoffnung aufgegeben, die Bezirksregierung von seiner Eignung zu überzeugen und hat Klage eingereicht.

Die Vorgeschichte: Der Afghane hat in Kabul Pharmazie studiert und wollte, wie viele seiner Berufskollegen, seinen Abschluss in Deutschland anerkennen lassen. Barna ließ nichts unversucht, um in seiner neuen Heimat Deutschland Fuß zu fassen. Als er ankam, sprach der 28-Jährige kein Wort Deutsch. In jeder freien Minute lernte er mit Hilfe seines Smartphones mit Youtube-Videos die fremde Sprache. Obwohl Barna bereits seit sieben Monaten sein Praktikum in der Bären-Apotheke absolvierte und sich auf seine Gleichwertigkeitsprüfung vorbereitete, entzog die zuständige Bezirksregierung dem Mann im Juni 2017 kurzerhand die Praktikumserlaubnis.

Damals hatte Wittig gegenüber APOTHEKE ADHOC erklärt: „Wir haben ein Schreiben von der Bezirksregierung erhalten, dass ein Dokument fehlt. Leider ist das Schreiben so formuliert, dass wir es nicht ganz verstanden haben und die Behörde ist nur zweimal in der Woche erreichbar. Wir versuchen jetzt herauszufinden, was genau fehlt und was wir tun können. Offenbar stimmt etwas mit dem Zeugnis aus Kabul nicht, möglicherweise entspricht der Master of Pharmacy nicht unserem deutschen Staatsexamen.“

„Es ist erschreckend wie lange sich das Ganze nun schon hinzieht und wir hoffen weiter mit ihm zusammen, dass er bald seinen Beruf in Deutschland ausüben darf“, sagt Wittig ein Jahr später. Nach wie vor arbeitet Barna in der Erkrather Bären-Apotheke: Im Backoffice als Mini-Jobber statt als Apotheker hinter dem HV-Tisch. Resigniert habe er trotz zahlreicher Rückschläge nicht, wie Wittig erklärt. „Er ist immer noch sehr engagiert und nimmt sogar an fachlichen Fortbildungen für Apotheker teil.“

Auch diesmal ist die Unterstützung groß. Facebook-User versuchen, dem Afghanen Mut zu machen: „Lieber Herr Barna, ich bin mit einem pakistanischen Ehepaar befreundet, dessen Anerkennungsverfahren nach 2,5 Jahren positiv vor Gericht verhandelt wurde“, schreibt eine Frau. „Ich hoffe, dass auch Sie bald wieder ruhig schlafen können und Ihrem Beruf in Sicherheit nachgehen können. Alles erdenklich Gute für Sie.“ Andere beklagen die bürokratischen Hürden: „Diese elende Bürokratie. Da kämpfen wir auch gerade mit“, kommentiert ein weiterer User. Einfach schrecklich, findet eine Freundin. „Wie sehr Fachkräfte gebraucht werden, sieht man daran wie träge und antiquiert unsere Verwaltung arbeitet“, meint ein anderer Kommentator. „Herr Barna, verlieren Sie den Mut nicht!“

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