Nahrungsergänzungsmittel

Vitalpilz-Hersteller auf Apotheken-Offensive

, Uhr
Berlin -

Der mittelständische Pilzhersteller Hawlik will mit seinen Produkten stärker in Apotheken vertreten sein. Derzeit werden die Vitalpilzpräparate vor allem über den eigenen Webshop vertrieben. Mit dem Kauf des Lohnherstellers Dronania will das bayerische Unternehmen sich als Lieferant der Pharmaindustrie etablieren.

Hawlik vertreibt verschiedene Nahrungsergänzungsmittel. Angeboten werden Flüssigextrakte und Kapseln sowie Tee, Schokolade und Pilzbruten für den Selbstanbau. Bisher werden die Vitalpilz-Präparate vor allem online vertrieben. Künftig soll ein Apotheken-Außendienst aufgebaut werden.

Mit der Übernahme von Dronania will der bayerische Familienbetrieb ein weiteres Standbein aufbauen. Der Lohnhersteller mit 30 Mitarbeitern wurde vom Apotheker und Lebensmittelchemiker Dr. Gerolf Tittel verkauft, weil kein Nachfolger aus der eigenen Familie gefunden worden war. Die Firma ist spezialisiert auf pflanzliche Präparate sowie Ausgangsstoffe, Aminosäuren, Vitamine und Mineralien.

Das Unternehmen mit Sitz in Bad Wörishofen erwirtschaftet rund 3,5 Millionen Euro Umsatz pro Jahr, davon stammen 40 Prozent aus dem Export. Der 70-jährige Pharmazeut, der in den 80er-Jahren die Würzburger Marien-Apotheke führte, bleibt als externer Berater für Dronania tätig, will sich aber verstärkt im Hotel seiner Tochter engagieren. Die Medizinerin bietet in Garmisch-Patenkirchen Gesundheitsvorsorge, Krebsvorsorge und Leistungsdiagnostik an.

Dronania wird Anfang Januar in die Hawlik-Gruppe integriert. Der Pilzhersteller wurde 1980 vom Ehepaar Willy und Kathrin Hawlik als Zuchtbetrieb gegründet. Die leidenschaftlichen Pilzsammler wollten mehr als Champignons und kultivierten zunächst auf 150 Quadratmetern Shiitake. 1984 wurde die Fläche wegen steigender Nachfrage auf 5000 Quadratmeter vergrößert. In einem Gewächshaus wurde die laut Firmenangaben bis dahin größte Bio-Shiitake-Pilzzucht Europas eingerichtet. Die beiden Pädagogen legten selbst Hand an: Es habe rund sechs Monate gedauert, bis das Anzuchtmaterial von rund 100.000 Buchenstämmen mit Pilzmyzel geimpft wurde.

Die junge Firma überstand die mit der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl einhergehende schlechte öffentliche Meinung zu Pilzen. Mitte der 90er-Jahre expandierte Hawlik nach Ungarn, dort wurden rund 10 Tonnen Pilze pro Woche produziert. In dieser Zeit entwickelten die Gründer die Idee, mit Vitalpilzen Nahrungsergänzungsmittel herzustellen, und begannen, Trockenpilze zu pulverisieren. Zusammen mit dem Mykologen Professor Dr. Dr. Jan Ivan Lelley wurden die ersten Produkte entwickelt.

Die Vitalstoffpräparate machen mittlerweile das Kerngeschäft des Unternehmens aus. Seit 2005 werden die Pilze dafür auf Farmen im Hochland von Fujian in China gezüchtet. 2006 stiegen mit Julia und Benjamin Hawlik die zweite Generation in das Unternehmen ein. Drei Jahre später wurde in Straßlach bei München ein neuer Firmensitz gebaut. Dort werden rund 30 Mitarbeiter beschäftigt.

Vor allem auf Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) spezialisierte Apotheken bieten Präparate mit Vitalpilzen an. Auch die Firmen Hennig (Trivital) und Pro Medico (Pure) haben Produkte aus dem Bereich Mykotherapie im Sortiment.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Mehr zum Thema
München, Frankfurt und Hamburg
Wolt liefert jetzt auch OTC-Medikamente »
Kein Arzneimittel, kein NEM
Ginkgo: K.o. im Drogeriemarkt? »
Mehr aus Ressort
Laborausrüster verstärkt sich im Bereich Biopharmazeutika
Sartorius übernimmt Albumedix »

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
Bayern fordert Nachschärfungen
Debatte um Infektionsschutzgesetz»
Namensänderung bei Janssen-Impfstoff
Jcovden: Apotheken können aufklären»
Schärfere Maßnahmen geplant
Affenpocken: USA rufen Notstand aus»
Per Aufkleber Daten über den Körper
Ultraschallpflaster: Blick ins Innere»
Eine seltene Genmutation erweist sich als Glücksfall.
Weiterer Patient von HIV geheilt»
Erhöhte Schmerzempfindlichkeit am ganzen Körper
Fibromyalgie: Chronisches Syndrom ohne Heilung»
Antibakterielle Wirkstoffe beeinflussen Antikörper
Antibiotika: Immunantwort bei Babys geschwächt»
Möglicher Zusammenhang zwischen Endometriose und Schlaganfall
Endometriose: Kardiovaskuläres Risiko»
A-Ausgabe August
90 Seconds of my life»
Kompetenter Begleiter für alle Leser:innen ab 60
my life Senioren»
Das Kindermagazin der my life Familie
Platsch»
Auf antibakterielle Wirkstoffe besser verzichten
Hautcremes können dem Mikrobiom schaden»
Erste Leitlinie für Diagnose & Behandlung
Vitiligo: Wenn der Haut die Pigmente fehlen»