Psilocybin-Forschung

Pharmazie-Prof: „Pilze sind wunderbare Chemiker” Deniz Cicek-Görkem, 24.11.2018 09:03 Uhr

Berlin - Phoenix hat kürzlich innovative Forschungsprojekte der Pharmazie mit einem Preis geehrt. Einer der Gewinner ist Professor Dr. Dirk Hoffmeister vom Institut für Pharmazeutische Mikrobiologie der Universität Jena. Er deckte zusammen mit seinem Team den enzymatischen Biosyntheseweg von Psilocybin auf, einem Inhaltsstoff der sogenannten Zauberpilze. Gegenüber APOTHEKE ADHOC erzählt er unter anderem, warum er von Pilzen fasziniert ist, und verrät außerdem, was er mit dem Geld vorhat.

Seine wissenschaftliche Neugier zu den Zauberpilzen begann eigenem Bekunden vor 15 Jahren. „Es war ein langer Prozess“, sagt Hoffmeister. Er wollte damals wissen, wie „die Biosynthese funktioniert“. „Ich war nicht der Erste, der sich diese Frage gestellt hat“, ergänzt er. „Aufbauend zu den Arbeiten Ende der 60er-Jahre wollte ich herausfinden, welche Enzyme an der Synthese beteiligt sind.“ Bislang blieb diese unklar, obwohl die Molekülstruktur von Psilocybin seit mehreren Jahrzehnten bekannt ist.

Die Substanz findet in der Forschung derzeit große Beachtung, da sie ein potenzieller Wirkstoffkandidat für die Therapie der Depression ist. In mehreren klinischen Studien wird aktuell die Wirkung am Menschen getestet. Eine besondere Rolle spiele in diesem Zusammenhang das in den USA ansässige Usona-Institut: „Die Stiftung fördert wissenschaftliche Arbeit mit dem Ziel, für Psilocybin FDA- und EMA-Zulassungen zu bekommen.“ Aktuell werde eine Niederlassung in Deutschland gegründet, um die Aktivitäten auszuweiten.

Die Wissenschaftler um Hoffmeister haben es geschafft, das Molekül erstmals enzymatisch zu synthetisieren. Sie charakterisierten vier Psilocybin-Biosyntheseenzyme: PsiD, das eine neue Klasse pilzlicher l-Tryptophan-Decarboxylasen darstellt, PsiK, das den Phosphotransfer-Schritt katalysiert, die Methyltransferase PsiM, die den N-Methyltransfer als terminalen Biosyntheseschritt katalysiert, und PsiH, eine Monooxygenase. In einer kombinierten PsiD/PsiK/PsiM-Reaktion wurde Psilocybin enzymatisch schrittweise ausgehend von 4-Hydroxy-1-tryptophan synthetisiert. Die Studienergebnisse könnten die Grundlage für die biotechnologische Produktion des Wirkstoffs bilden.

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