Psilocybin-Synthese

Zauberpilze als Antidepressivum Deniz Cicek-Görkem, 04.04.2018 14:01 Uhr

Berlin - Zauberpilze finden vor allem in der schamanischen Heilkunst Verwendung. Aus wissenschaftlichen Studien ist bekannt, dass die Pilze erfolgreich bei Krebspatienten eingesetzt wurden und geholfen haben, deren Depressionen und Ängste zu überwinden. Pilz-Inhaltsstoffe als Antidepressivum? Forscher der Friedrich-Schiller-Universität (FSU) in Jena sind optimistisch, denn ihnen gelang vor Kurzem erstmals die synthetische Herstellung der Substanz Psilocybin im Labormaßstab.

Zauberpilze, auch „Magic Mushrooms“ genannt, sind psychoaktive Pilze, die die Indolalkaloide Psilocybin und Psilocin enthalten. Erstmals wurden diese Substanzen von Albert Hofmann, dem Entdecker des LSD, aus mexikanischen Rauschpilzen isoliert. Die Einnahme kann zu körperlicher Leichtigkeit und Energie, Euphorie und Freude führen. Die Wirkung ähnelt jener von LSD, ist aber von kürzerer Dauer. Deshalb werden sie missbräuchlich zu Rauschzwecken eingesetzt. Gegenwärtig erfahren die Alkaloide vermehrt pharmazeutische Beachtung, da sie Potential zur Behandlung von Depressionen und Angstzuständen besitzen und gut verträglich sind.

Pilze mit diesen Wirkstoffen sind in Anlage I zu § 1 Abs. 1 des Betäubungsmittelgesetz (BtMG) aufgelistet und somit nicht verkehrsfähig. Jeglicher Umgang mit diesen Substanzen ist daher generell verboten. Doch Wissenschaftler können zu Forschungszwecken eine Ausnahmegenehmigung beantragen. Dies tat auch die Arbeitsgruppe um Professor Dr. Dirk Hoffmeister des Instituts für Pharmazeutische Mikrobiologie in Jena. Zusammen mit seinem Team forscht er an den Inhaltsstoffen der Pilzgattung Psilocybe.

Obwohl die Struktur von Psilocybin seit 60 Jahren bekannt ist, blieb die enzymatische Basis seiner Biosynthese bislang unklar. Die Wissenschaftler um Hoffmeister haben es geschafft, das Molekül erstmals enzymatisch zu synthetisieren. Sie charakterisierten vier Psilocybin-Biosyntheseenzyme: PsiD, das eine neue Klasse pilzlicher l-Tryptophan-Decarboxylasen darstellt, PsiK, das den Phosphotransfer-Schritt katalysiert, die Methyltransferase PsiM, die den N-Methyltransfer als terminalen Biosyntheseschritt katalysiert, und PsiH, eine Monooxygenase. In einer kombinierten PsiD/PsiK/PsiM-Reaktion wurde Psilocybin enzymatisch schrittweise ausgehend von 4-Hydroxy-1-tryptophan synthetisiert. Die Studienergebnisse könnten die Grundlage für die biotechnologische Produktion des Wirkstoffs bilden.

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