Bald Ketamin-Nasenspray für Depressive?

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Berlin - Wissenschaftler schenken Ketamin derzeit viel Beachtung, da die Substanz möglicherweise als Antidepressivum eingesetzt werden könnte. Forscher konnten kürzlich für das Mittel eine antidepressive Wirkung bestätigen und nun auch eine rasche und signifikante Verbesserung der depressiven Symptome bei therapierefraktären Patienten zeigen. Die im „American Journal of Psychiatry“ veröffentlichten Ergebnisse sind vielversprechend.

Ketamin ist aus der Anästhesie und Notfallmedizin bekannt, der Wirkstoff wird als Narkose- und Schmerzmittel eingesetzt. Zudem wird es in der Behandlung des therapieresistenten Status asthmaticus verwendet. Forscher untersuchen seit einigen Jahren die Wirksamkeit der Substanz bei depressiven Störungen als schnellwirksame Alternative zu den gängigen Antidepressiva. Johnson & Johnson analysiert derzeit in Phase-III-Studien (Sustain-1 und Sustain-3) die Sicherheit der Anwendung sowie ein mögliches Abhängigkeits- und Missbrauchspotenzial des potenziellen Arzneimittels in Kombination mit einem oralen Antidepressivum. Sustain-1 soll Ende August abgeschlossen werden. Mit den Ergebnissen der Langzeitstudie Sustain-3 wird frühestens im September 2021 gerechnet.

Aus den aktuellen Ergebnissen einer randomisierten, doppelblinden und placebo-kontrollierten Phase-II-Studie kann entnommen werden, dass die nasale Applikation von Esketamin, dem S-Enantiomer von Ketamin, die Symptome einer schweren Depression, einschließlich Suizidalität, mit einem schnellen Wirkungseintritt signifikant verbesserte.

In der Studie erhielten 68 Teilnehmer randomisiert zusätzlich zu einer umfassenden Standardbehandlung vier Wochen lang zweimal wöchentlich Esketamin 84 mg oder Placebo. Die Forscher untersuchten, ob die Symptome einer schweren Depression vier Stunden nach der ersten Behandlung, nach 24 Stunden und nach 25 Tagen verbessert wurden. Zur Analyse wurde die Montgomery-Åsberg-Depressions-Bewertungsskala (MADRS) herangezogen.

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