Enttabuisierung

Einsamkeit macht krank – Politik gefordert dpa, 19.01.2018 09:27 Uhr

Berlin - Einsamkeit kann Krankheiten wie Depression oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen. Allein fühlen sich in Deutschland immer mehr Menschen. Nun fordern Politiker, dass die Regierung ihnen helfen muss.

Nachdem in Großbritannien ein Regierungsposten gegen Einsamkeit eingerichtet worden ist, fordern auch deutsche Politiker mehr Einsatz im Kampf gegen das Alleinsein. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte der Bild-Zeitung (Freitag): „Die Einsamkeit in der Lebensphase über 60 erhöht die Sterblichkeit so sehr wie starkes Rauchen.“ Einsame Menschen würden früher sterben und „viel häufiger an Demenz“ erkranken. „Es muss für das Thema Einsamkeit einen Verantwortlichen geben, bevorzugt im Gesundheitsministerium, der den Kampf gegen die Einsamkeit koordiniert“, sagte er.

Der CDU-Politiker Marcus Weinberg forderte „eine Enttabuisierung“ des Themas, „damit einsame Menschen eine Lobby haben und Einsamkeit nicht in einer Schmuddelecke bleibt“. Das Thema und die gesamtgesellschaftlichen und gesundheitlichen Folgen von zunehmender Einsamkeit würden an Bedeutung in den kommenden Jahren zunehmen. „Wir müssen uns des Themas Einsamkeit annehmen, Forschung hierzu fördern, Programme auflegen, neue Konzepte entwickeln“, forderte der familienpolitische Sprecher der Union.

In Großbritannien gibt es seit dieser Woche einen Regierungsposten gegen Einsamkeit. Sportstaatssekretärin Tracey Crouch übernahm diesen Aufgabenbereich zusätzlich. In Großbritannien fühlen sich nach Regierungsangaben mehr als neun Millionen Menschen isoliert. Etwa 200.000 Senioren hätten höchstens einmal im Monat ein Gespräch mit einem Freund oder Verwandten.

  • 1
  • 2

APOTHEKE ADHOC Debatte