Psychische Erkrankungen

Antidepressiva: Suizidrisiko vorprogrammiert?

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Doch das Risiko für einen Selbstmord hängt vermutlich auch von dem Wirkstoff ab, welcher der Patient von seinem Arzt verordnet bekommen hat. Darüber haben Forscher um Dr. Carol Coupland von der Universität Nottingham bereits vor einigen Jahren berichtet. Sie haben nämlich untersucht, inwiefern es Unterschiede des Suizidrisikos in Bezug auf die verordnete Wirkstoffklasse gibt. In einer Kohortenstudie untersuchten sie die Daten von 238.963 Patienten im Alter zwischen 20 und 64 und beobachteten sie über zwölf Jahre. In den ersten fünf Jahren des Follow-ups traten 198 Fälle von Selbstmord und 5243 Fälle von Selbstmordversuch oder Selbstverletzung auf.

Sie konnten zeigen, dass es einen signifikanten Unterschied zwischen der Behandlung mit selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) wie Citalopram und anderen Antidepressiva gab. Das Risiko für Suizidversuche unter Mirtazapin war gegenüber Citalopram signifikant erhöht. Bei Venlafaxin (selektiver Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer, SSNRI), sowie bei Trazodon (Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, SRI) war das Suizidrisiko zwar auch etwas höher, allerdings gab es keine statistische Signifikanz. Bei trizyklischen Antidepressiva wie Doxepin und Amitryptilin wurde kein erhöhtes Risiko beobachtet.

Da Beobachtungsstudien anfällig für Bias sind, können die Ergebnisse durch verschiedene Faktoren verzerrt worden sein. Dennoch raten Experten weiterhin, Patienten, die Antidepressiva einnehmen, sorgfältig zu überwachen, insbesondere am Anfang der Behandlung und auch beim Absetzen der Medikamente.

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