Bei Omnicare gibt es einen größeren Umbau: Die Allianz ambulante Onkologie übernimmt die Gruppe, zu der der gleichnamige Großhandel, der Herstellbetrieb LGHO sowie verschiedene MVZ gehören. Firmengründer Oliver Tamimi kauft damit das Unternehmen vom Finanzinvestor Equistone zurück.
Equistone hatte 2019 eine Mehrheit an Omnicare übernommen, jetzt zieht sich der Investor zurück: „Equistone Fund VI veräußerte seine Beteiligung an Omnicare an Allianz ambulante Onkologie, einen bestehenden Anteilseigner des Unternehmens.“
Das Bundeskartellamt hat die Zustimmung bereits erteilt. Die bisherigen Finanzierungspartner unterstützen laut Omnicare die neue Eigentümerstruktur und die nachhaltige Weiterentwicklung des Unternehmens.
Omnicare und Allianz Ambulante Onkologie waren seit dem Einstieg getrennte Bereiche.
Als Spezialgroßhändler beliefert Omnicare rund 100 Apotheken.
Während der Investitionsphase von Equistone expandierte Omnicare durch die Übernahme von ambulanten onkologischen Zentren (MVZ) und baute so seine Präsenz im Bereich der onkologischen Versorgung in Deutschland aus. Mittlerweile gehören knapp 20 Standorte zum Deutschen Onkologischen Netzwerk (DON). Die Klinik Dr. Römer ist sowohl in der stationären und als auch ambulanten Patientenversorgung aktiv.
Omnicare bietet seit der Übernahme des Konkurrenten Megapharm auch Softwarelösungen in der Onkologie an; außerdem gibt es eine bundesweite Fortbildungsakademie für onkologische Praxen.
Zuletzt wurde so die Laborgemeinschaft für Hämatologie und Onkologie (LGHO) aus Leipzig übernommen, Omnicare war damit erstmals selbst in die Herstellung eingestiegen. Bis zu 65.000 parenterale Lösungen können hier hergestellt werden – zur Absicherung der Versorgung, wie es offiziell heißt. Denn eigentlich läuft die Sterilherstellung über das Apothekennetzwerk von Allianz Ambulante Onkologie; hier können bis zu 400.000 Zubereitungen pro Jahr geliefert werden. Zur gemeinsamen Dachmarke gehört auch ein Qualitätssiegel.
Unter der Beteiligung von Equistone wurde zwar der Umsatz von Omnicare von 703 auf mehr als eine Milliarde Euro gesteigert. Gewinne wurden aber kaum erwirtschaftet. Hinzu kam die gewaltige Schuldenlast von rund 180 Millionen Euro aus der Übernahme, für die jährlich rund 18 Millionen Euro an Zinsaufwand an den Investor flossen. Knapp 300 Mitarbeitende sind bei der Gruppe beschäftigt.
Für den Exit von Equistone könnte auch die Tatsache eine Rolle gespielt haben, dass die Verflechtungen von Herstellbetrieb und Praxen beim Konkurrenten Zytoservice gerade gerichtlich geprüft wird. Die Staatsanwaltschaft spricht von besonders schwerer Bestechung und bandenmäßigem Abrechnungsbetrug. Im schlimmsten Fall drohen Millionenstrafen.
Mehrheitsgesellschafter von Allianz Ambulante Onkologie – und damit jetzt auch wieder von Omnicare – ist Tamimi über sein Beteiligungsgeflecht Oncor. Die Apothekerinnen und Apotheker sind als Kommanditisten mit kleinen Anteilen an der Allianz Ambulante Onkologie beteiligt.
Die neue Eigentümerstruktur legt laut Firmenangaben den Grundstein für die langfristige Weiterentwicklung von stabilen und leistungsfähigen Versorgungsstrukturen in der Onkologie. In einem gesundheitspolitisch anspruchsvollen Umfeld sei eine starke ambulante Krebsversorgung ein zentraler Bestandteil der zukunftsfähigen Gesundheitsversorgung in Deutschland. Omnicare stehe für eine starke wohnortnahe onkologische Versorgung in Deutschland. Der Fokus des Unternehmens bleibe unverändert: die verlässliche Versorgung von Krebspatientinnen und -patienten sowie die enge Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärztinnen, Ärzten und Apotheken im ambulanten Bereich.
„Die ambulante Onkologie ist ein zentraler Bestandteil der Gesundheitsversorgung in Deutschland. Mit der neuen Eigentümerstruktur schaffen wir eine solide Basis, Omnicare langfristig weiterzuentwickeln, um die wohnortnahe Versorgung onkologischer Patientinnen und Patienten nachhaltig zu stärken“, sagt Tamimi. „Gemeinsam mit Ärztinnen, Ärzten und Apotheken wollen wir eine flächendeckende Krebsversorgung – gerade im ländlichen Raum – sicherstellen.“
Es ist übrigens nicht der erste Fall, in dem Zytoapotheker ihr Geschäft zurückkaufen. 2015 ging der Verbund CFL („Compounding for life“) an den Mannheimer Apotheker Michael Schill zurück. Damals hatte Fresenius nach fünf Jahren das Handtuch geworfen.