Streit mit Facebook und Google: Vitabook ist insolvent

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Berlin - Zahlreiche Vitabook-Kunden wunderten und ärgerten sich in den zurückliegenden Wochen über das Gebaren der Versorgungsplattform: Den Apotheken wurde der Preis pro Transaktion schlagartig vervierfacht, Alten- und Pflegeheimen wurden Versorgunsforschungsverträge des Anbieters CliniGo vorgelegt, mit denen sie nicht viel anfangen konnten – und dann war ganz Ruhe. Gerüchte machten die Runde, CliniGo habe Vitabook übernommen und wolle die Heime zu einer Versandapotheke drängen. Die Wahrheit ist komplexer und bitterer: Facebook und Google haben das Portal mit Rechtsstreitigkeiten in die Knie gezwungen. Vitabook ist insolvent.

Markus Bönig ist äußerst umtriebig und hat die letzten zehn Jahre mit seinen Projekten einigen Staub in der Branche aufgewirbelt: Früh zählte er zu denjenigen, die die Digitalisierung des Gesundheitswesens als Geschäftsmodell entdeckten. Schon 2011 gründete er das Bestellportal Ordermed und gehörte damit zu den Branchenpionieren. Es folgten Aponow, KlickA und die App „Patient.Plus“, schließlich ging alles in Vitabook auf. Die Plattform war vor allem in der Heimversorgung präsent: Sie stellte das Bindeglied zwischen Pflegeeinrichtung und Apotheke dar, über das Arzneimittelnachbestellungen abgewickelt wurden.

Doch in den vergangenen Monaten fühlten sich einige Kunden vor den Kopf gestoßen: „Ich erhielt einen Anruf, dass man mir einen neuen Vertrag zuschicken würde. Es gebe da einen Namenswechsel und einen neuen Betreiber“, erzählt ein Pflegedienstleiter aus Nordrhein-Westfalen, der nicht namentlich genannt werden möchte. An einem Freitagnachmittag habe er den Vertrag dann bekommen – und im Anhang einen sogenannten Versorgungsforschungsvertrag, mit dem er erst einmal nicht viel anfangen konnte. „Da sollten wir dann unterschreiben, dass wir Diagnosen und Vitalwerte übermitteln. Das konnte ich nicht so einfach zwischen Tür und Angel an einem Freitagnachmittag entscheiden, also konnte ich den Vertrag nicht unterschreiben.“

Also versuchte er, sich an CliniGo zu wenden, und scheiterte. „Freitag habe ich den Vertrag erhalten und dann bis Mittwoch niemanden bei CliniGo erreicht.“ Das größte Problem dabei: Bereits einen Tag vorher wurde dem Heim der Hahn zugedreht. „Schon am Dienstag wurden wir vom System abgehängt. Wir kamen mit unseren Zugangsdaten nicht mehr ins Portal und mussten dann von einem Tag auf den anderen unser gesamtes Bestellwesen überarbeiten. Wir müssen jetzt wieder alles handschriftlich machen und die Bestellungen an die Ärzte schicken.“

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