HIV-Prophylaxe

PrEP: Jetzt purzeln die Preise

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Berlin -

Erst hat Hexal spezielle Blisterkonditionen für die PrEP ausgelobt, jetzt hat Ratiopharm die Preise für Emtricitabin/Tenofovir drastisch gesenkt. Die anderen Hersteller wollen in Kürze nachziehen. Nur wenige Monate nach Patentablauf wird die Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP) deutlich erschwinglicher werden.

Der Kölner Apotheker Erik Tenberken und die rund 60 Kollegen, die an seinem Projekt teilnehmen, bieten das verblisterte Hexal-Produkt seit einigen Wochen im Rahmen eines Pilotprojekts für 50,05 Euro pro Monatsration an. Inzwischen wurden fast 1500 Rezepte eingelöst.

Ratiopharm zog jetzt nach: Statt 556,33 Euro kostet die 30er-Packung ab Dezember nur noch 69,90 Euro. Eine Packung mit 90 Tabletten wird für 209,70 statt 1639,62 Euro Euro erhältlich sein. Parallel startet die Kampagne „Sex on PrEP“, mit der der Konzern pünktlich zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember auf das Thema aufmerksam machen will.

Die Konkurrenz hat der Konzern aus Ulm überrascht. Hinter vorgehaltener Hand stellt man die Frage, ob Ratiopharm vielleicht zu viel Ware geordert hat und diese jetzt loswerden muss. Fakt ist aber, dass der Preisvorteil in der Generikabranche meist nur von kurzer Dauer ist und dass die anderen Hersteller schnellstmöglich nachziehen werden.

So wollen Aliud und Aristo ihre Preise zum 15. Dezember ebenfalls absenken. Bei Betapharm ist derzeit nichts geplant, Zentiva will sich nicht äußern. Weitere Anbieter sind Hormosan, Mylan und TAD. Der Hersteller aus Cuxhaven plant angeblich ebenfalls ein Blisterprojekt. Ob das nun noch kommt, bleibt abzuwarten.

Zielgruppe der PrEP sind Menschen, die wegen häufig wechselnder Geschlechtspartner ein großes Risiko für eine Ansteckung mit HIV und somit ein besonders hohes Infektionsrisiko haben – nicht für Jedermann. Die Form der Anwendung ist recht neu, das Medikament an sich jedoch schon seit Jahren für die Therapie HIV-Infizierter zugelassen. Die Fixkombination soll die Virusvermehrung in den Zellen hemmen und bei regelmäßiger Einnahme einen hohen, wenn auch keinen 100-prozentigen Schutz vor HIV bieten.

User müssen einige Voraussetzungen erfüllen. Zum einen muss eine bestehende HIV-Infektion ausgeschlossen sein. So sollen Resistenzen verhindert werden, da nur Menschen behandelt werden, die das Virus nicht tragen. Alle drei Monate findet eine erneute Kontrolle statt. Klar ist auch: Die Tabletten schützen nicht vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen wie Syphilis. Darum ist die PrEP nur „in Kombination mit Safer-Sex-Praktiken“ zugelassen.

Noch ist aber nicht ganz klar, wie das wichtige Monitoring gesichert werden kann – denn auch dabei stehen die Zeichen auf Selberzahlen. Der Weg zur PrEP führt bis jetzt nur über eigens geschulte Ärzte und 20 bis 30-minütige Beratungen in der Apotheke. Beim Kauf bekommen Kunden Infomaterial und Antworten auf Fragen rund um die korrekte Einnahme.

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