Lieferdienst

Dedendo ist Geschichte

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Berlin -

Der Lieferdienst Dedendo ist insolvent: Beim Registergericht Wiesbaden wurde am 15. November ein Insolvenzantrag gestellt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Thomas Illy von der Kanzlei PKL Keller Spies Rechtsanwälte aus Frankfurt bestimmt. Die Alliance-Kooperation Vivesco hat gegenüber den teilnehmenden Apotheken mitgeteilt, dass das Gemeinschaftsprojekt damit endgültig beendet ist.

Gestern informierte Vivesco die Apotheken über den Insolvenzantrag: „Gemeinsam mit dem Apothekenbeirat haben wir aus diesem Grund entschieden, das Projekt Dedendo zukünftig nicht mehr weiterzuverfolgen.“ Die Schuld für das vorzeitige Aus sieht Vivesco bei ProSiebenSat.1: Der Medienpartner habe leider nicht die notwendige Geduld mitgebracht, heißt es.

Geschäftsführer Oliver Prönnecke und der Manager für Onlineprojekte, Christian Braumann, äußern sich in dem Schreiben auch zu dem Hintergrund des Engagements: Eine Kooperation müsse ihren Mitgliedern dort helfen, wo sie als einzelne Apotheken nichts ausrichten könnten. Dies treffe natürlich auch auf E-Commerce und Versandhandel zu.

Man sei auf einem guten Weg gewesen, die geplanten 2000 Apotheken für das Projekt zu gewinnen. Der Vorteil für die Apotheken bestand Vivesco zufolge vor allem darin, dass das finanzielle Risiko allein die Investoren getragen hätten.

Bei Dedendo konnten Kunden online Arzneimittel bestellen, die dann von einer Apotheke vor Ort geliefert werden sollten. Das Unternehmen war im vergangenen Herbst gestartet. Vivesco war de facto Exklusivpartner.

Hinter dem Dienst stand Joerg Hempelmann, der Partner bei der Agentur JNB McCann Healthcare ist. Außerdem waren ein Finanzinvestor und zeitweise der Medienkonzern ProSiebenSat.1 beteiligt. Vivesco sollte für das Start-up möglichst viele Teilnehmer in den eigenen Reihen, aber auch andere Apotheken gewinnen.

Anfang vom Ende war der Ausstieg von ProSiebenSat.1: Der Medienkonzern hatte seine Minderheitsbeteiligung im Juli zurückgegeben – die Erwartungen an die Entwicklung des Projekts lagen zu weit auseinander. Die anschließenden Verhandlungen mit Vivesco über eine komplette Übernahme waren gescheitert. Damit stand das Projekt vor dem Aus, zumal die teilnehmenden Apotheken zuletzt keine Gebühren mehr zahlen mussten.

Die teilnehmenden Apotheken mussten sich zum Start für eine einmalige Gebühr von 138 Euro ein Shop eingerichten lassen. Anschließend konnten die Mitglieder das Angebot kostenfrei nutzen. Pro bestelltem OTC- oder Freiwahlprodukt gingen allerdings 10 Prozent des Netto-Verkaufspreises an den Dienst; bei Rx-Medikamenten wurde pro Arzneimittel 1 Euro fällig.

Apotheken außerhalb der Vivesco-Kooperation mussten eine einmalige Einrichtungsgebühr von 158 Euro zahlen. Nach dem ersten Quartal wurden pro Monat 19 Euro fällig. Für OTC- oder Freiwahlprodukte wurde eine Rate von 12 Prozent berechnet. Bei verschreibungspflichtigen Medikamenten musste der Apotheker je 1,25 Euro abgeben.

Zuletzt hatte es auch juristische Angriffe auf Dedendo gegeben: Aus Sicht der Wettbewerbszentrale verstießen die teilnehmenden Apotheken gegen das Apothekengesetz. Eine Beteiligung an den Umsätzen der Apotheke untergrabe deren wirtschaftliche Unabhängigkeit. Zu einem Gerichtsverfahren kam es allerdings nicht: Die abgemahnten Apotheken hatten sich gar nicht erst zur Wehr gesetzt und eine Unterlassungserklärung abgegeben.

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