DHU: Shitstorm happens | APOTHEKE ADHOC
Homöopathie-Kampagne

DHU: Shitstorm happens

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Berlin -

Die Deutsche Homöopathie-Union (DHU) hat ihre Imagekampagne gestartet. Unter #MachAuchDuMit sollen sich Interessierte in den sozialen Medien austauschen. Die Beiträge, die prompt auf Twitter gepostet wurden, dürften aber so gar nicht im Sinne des Herstellers sein.

„#MachAuchDuMit und schreibe deiner Krankenkasse, dass du auf Homöopathie-Erstattung keinen Wert legst und lieber Zuschüsse für tatsächlich wirksame Maßnahmen, wie z. B. Brillen, hättest“, schreibt ein Nutzer. Ein anderer schlägt vor: „#MachAuchDuMit - #Globuli ins Süßwarenregal!“

Erfahrungsberichte gab es auch, allerdings vermutlich etwas anders, als man sich das in Karlsruhe vorgestellt hat: „Ich bin jahrelang auf die Homöopathie reingefallen, hab jede Kritik als lächerlich dargestellt und nicht gemerkt, wie lächerlich und falsch genau das ist. Homöopathie ist keine wirksame Arzneitherapie, sie ist ein Placebo wie Heile-heile-Segen und Aua-Wegpusten.“ Ein anderer Nutzer erzählt: „Eine liebe Freunde war mit einem hartnäckigen Husten beim Unheilpraktiker, der ihr Glaubuli empfohlen hat. 'Ne Woche später lag sie mit Lungenentzündung stationär im Krankenhaus. Komm schon, #DHU: #MachAuchDuMit!“

Auch einige Befürworter äußerten sich sich auf Twitter. „Wer Therapiefreiheit beschneiden will, bevormundet Patienten in Deutschland, die von Homöopathie profitieren können. Die Bevölkerung setzt auf Homöopathie-Politik soll sich dafür einsetzen“, meint ein Nutzer. „Medikamente sind die dritthäufigste Todesursache! Da kann die nebenwirkungsfreie und nachgewiesen wirksame Homöopathie helfen. Trotzdem hetzen Big-Pharma-Kartell bzw. Skeptiker dagegen“, schreibt eine andere Nutzerin. Offenbar als Antwort darauf wird in mehreren Posts darauf hingewiesen, dass die DHU zu Dr. Willmar Schwabe gehört. „Auch Homöopathie ist ‚Big Pharma‘. Umsätze im dreistelligen Millionenbereich ist nichts Alternatives mehr. Lasst euch nicht veralbern, es geht nur um euer Geld.“

Bei der DHU sieht man den Shitstorm gelassen, man hatte sich bei der Planung der Kampagne auf verschiedene Szenarien vorbereitet. „Scheinbar haben wir ein Thema angesprochen, dass für viele interessant ist“, sagt Geschäftsführer Peter Braun diplomatisch. Ziel der Kampagne sei es, für Therapiefreiheit zu werben. „Wir leben in einer Demokratie“, sagt Braun. „Die Mehrheit vertraut der Therapie und die Mehrheit hat nicht unrecht.“ Keine Minderheit habe das Recht, der Mehrheit ihre Meinung aufzuzwingen.

„Die Bürgermeinung entscheidet über das Bedürfnis“, so Braun. Wenn eine Krankenkasse kundenorientiert sei, übernehme sie die Kosten für eine homöopathische Behandlung. Dadurch sei die Therapiefreiheit eher garantiert, unabhängig vom Budget. „Gute und wirksame Medikamente bleiben am Markt, andere verschwinden“, so Braun. Bloß weil man die Wirkweise der Homöopathie nicht erklären könne, dürfe man nicht sagen, die Therapie habe keine Berechtigung. „Wo wären wir, wenn wir in den letzten 1000 Jahren so gehandelt hätten?“

Die Homöopathie steht seit einiger Zeit unter Druck. Ein Netzwerk an Kritikern führt vor allem in den sozialen Netzwerken hitzige Debatten mit dem Ziel, das Vertrauen in diese alternative Therapieform zu erschüttern. So mussten die Techniker Krankenkasse, ein Apotheker sowie die Versandapotheke DocMorris einen regelrechten Shitstorm in ihren Kanälen verkraften. Metaanalysen sowie Kritik des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) und des Bundesversicherungsamts an der Erstattung durch die Krankenkassen haben die Debatte zusätzlich befeuert.

So waren die Umsatzzahlen mit Homöopathika zuletzt rückläufig. Laut den Zahlen des Marktforschungsunternehmens Iqvia ist der Absatz 2017 um 3,6 Prozent auf gut 53 Millionen gesunken. Dahinter steht ein Umsatz auf Basis der Listenpreise von 734 Millionen Euro. 46 Millionen entfallen dabei auf die Selbstmedikation, hier lag der Umsatzrückgang bei 2,8 Prozent. Die Ärzte haben dagegen das Ausstellen von Privatrezepten (minus 6,85 Prozent) und Kassenrezepten (minus 14 Prozent) für Globuli & Co. spürbar zurückgefahren.

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