APOSCOPE-Studie

Antiallergika: Cortison-Phobie war gestern

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Berlin -

Antiallergika im Jahr 2018: Was ist gefragt, was wird gekauft? Dieser Frage ging die jüngste APOSCOPE-Studie nach. Das Ergebnis ist in vielerlei Hinsicht überraschend.

Allergischer Schnupfen, Bindehautentzündung und Hauterscheinungen sind in den kommenden Monaten wieder das Thema in den Apotheken. Kaum ist die Erkältungssaison beendet und die ersten Pollen fliegen, halten Antiallergika Einzug in die Sichtwahl. Neben den ohnehin gesetzten Wirkstoffen Cetirizin und Loratadin werden laut den Ergebnissen der APOSCOPE-Studie „Antiallergika 2018“ vor allem Cortison-haltige Präparate ihren Platz finden. Diese stehen bei allergischen Hauterscheinungen und saisonaler allergischer Rhinitis in der Empfehlung hoch im Kurs.

Cortisoncremes sind bei 91 Prozent der Befragten Mittel der Wahl. Der zweite Platz geht mit 61 Prozent an topische Zubereitungen mit Dimetinden, gefolgt von Bamipin, das von 29 Prozent der Teilnehmer empfohlen wird. Die Nase vorn im Empfehlungsverhalten hat FeniHydrocort mit etwa 68 Prozent gefolgt von Fenistil Gel und Soventol HydroCort (je 59 Prozent). Jedoch sind Unterschiede im Ranking zwischen den einzelnen Berufsgruppen zu verzeichnen.

Auch gegen allergischen Schnupfen ist ein Cortison Mittel der Wahl. Das pharmazeutische Personal setzt auf das im Herbst 2016 aus der Verschreibungspflicht entlassene Mometason – etwa 74 Prozent der Befragten sprechen eine Empfehlung aus. Die Nase vorn hat Mometahexal mit etwa 61 Prozent, gefolgt von MomeAllerg (22 Prozent) und Mometason Ratiopharm (19 Prozent).

Meersalzsprays und -spülungen kommen auf etwa 44 Prozent im Empfehlungsranking, gefolgt von Cromoglicinsäure (35 Prozent). Beclometason kommt auf etwa 34 Prozent und Fluticason auf etwa 20 Prozent. Nur etwa 8 Prozent der Teilnehmer empfehlen ein abschwellendes Nasenspray.

Mometason hat nach dem OTC-Switch einen Ansturm erfahren. Den Anstieg des Abverkaufes führen die Befragten mit etwa 60 Prozent auf eine bessere Wirksamkeit zurück. Etwa 57 Prozent sehen den Grund in der Therapietreue der Patienten, die bereits auf den Wirkstoff eingestellt sind. Denn die Patienten mit saisonaler allergischer Rhinitis (Heuschnupfen) können sich seitdem ohne Umweg zum Arzt direkt in der Apotheke bevorraten. Für etwa 62 Prozent ist die „zusätzliche Alternative zum Ausprobieren“ der Grund für den gestiegenen Abverkauf. Etwa 31 Prozent führen den Run auf die TV-Kampagnen der Hersteller zurück.

Mometason überzeugt die Befragten in Wirksamkeit und Sicherheit. Mit der Schulnote 1,7 liegt das Cortison noch vor den systemisch anzuwendenden Antihistaminika auf dem ersten Platz der Bewertung der Wirksamkeit der einzelnen Arzneistoffe. Beclometason belegt mit 1,97 Platz 5 vor Fluticason (2,04) auf Platz 7. In den oberen Rängen sind Cetirizin (1,86), Azelastin (1,87) und Loratadin (1,92) vertreten.

Hinsichtlich der Nebenwirkungen ist eine Verschiebung zu verzeichnen. Mometason fällt mit der Note 2,13 auf den fünften Platz. Bergab auf den zehnten Platz geht es auch für Cetirizin (2,47). Am besten wurde Cromoglicinsäure mit 1,93 bewertet, die jedoch mit 3,16 Platz 14 in der Bewertung der Wirksamkeit belegt.

An der Befragung nahmen 333 Personen teil. Ausgewertet wurden die Antworten von 52 Inhabern/Apothekenleitern, 19 Filialleitern, 77 angestellten Apothekern und 185 PTA. 241 der Befragten waren weiblich, 92 männlich. Insgesamt wurden 71 Produkte von 38 Herstellern für die Befragung ausgewählt.

Die vollständige Studie, Analysen und Grafiken, Tabellenband und Management Summary kann hier kostenpflichtig bestellt werden. APOSCOPE betreibt Online-Marktforschung im Apotheken- und Pharmamarkt und verfügt über ein verifiziertes Expertenpanel aus Apothekern und PTA.

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